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Die Psychologie des Zuhälters

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

74 Großstadt-Dokumente 23b. 5. Zuhältertum in Berlin.

Hier geht das Berliner Zuhältertum ins Internationale über.

Doch sind es fast nie Berliner Elemente, die so geschickt vorgehen.

Der Berliner Zuhälter, der seine Stadt verlädt, tut es fast stets nur, um irgendeiner Strafe aus dem Wege zu gehen. Er wendet sich nach den Hasenplätzen, flieht aber meist nach London. And es gibt dort Lokale, die genau so aussehen, wie hiesige Kaschemmen, und deren Publikum wie aus dem Oranienburger Tor-Viertel dahin

verpflanzt aussieht.

Nur wenige Berliner Zuhälter gehen mit ihrer Dirne aus Kunstreisen, um etwa draußen mehr zu verdienen. Aus Vergnügungs- und Erholungsreisen gehen dagegen viele. In manchen Kaschemmen kleben an den Wänden Hunderte von Ansichtskarten aus allen Bädern und

Sommerfrischen . . .

Ia, die Zuhälter leben nicht schlecht. Ieder, der sich zum Zuhälter einer Dirne hergibt, würde auch ausgelacht und verhöhnt werden, wollte er sich nicht dafür von der Dirne entschädigen lassen. Gibt er sich aber erst einmal zum Zuhälter her, so wird er nicht nur von den andern, von seinen früheren kreisen ausgestoßen. Er zieht sich selbst zurück. Er verschwindet oft ganz für die. So ganz und gar schamlos, sich mit ihrem Zuhältertum zu brüsten und aus ihre frühere Stelle in den alten kreisen zu pochen — so sind nur wenige Zuhälter. —

Auch andere, menschlich anziehende Eigenschaften besitzen manche Zuhälter. Eine gewisse Anhänglichkeit an die Heimat und an die Eltern haben sich fast alle bewahrt. 3a, es gibt kaum Menschen, die an gewissen Festen — zu Weihnachten und zum Geburtstag — so sentimental werden können, wie die Zuhälter . . .
        
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