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Die Psychologie des Zuhälters

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

70 Großstadt-Dokumente 93b. 5. Zuhältertum in Berlin. 
vorbestraften Dulitz bekannt machte. Dem angetrunkenen 
Gärtner nahm Dulitz auf der Droschkenfahrt die ganze 
Erbschaft fort. 
Es ist ja schließlich auch selbstverständlich, daß in 
manchen Kaschemmen Verbrecher und Zuhälter zusammen¬ 
kommen und schließlich eins ins andere übergeht. Doch 
begnügen sich im allgemeinen die Zuhälter mit dem Geld, 
das ihnen ihre Prostituierte schafft und das sie sich selbst 
in ehrlicher Weise hinzuverdienen. Damit können sie ein 
Leben führen, das fast immer über dem Niveau ihrer 
früheren Lebenshaltung oder über dem ihres eigentlichen 
Kreises liegt. 
So sind sie die Grandseigneurs der Gasse. Sie 
arbeiten gar nicht oder wenig. 
Danach allein dürfte ihr Wert natürlich nicht be¬ 
messen werden. Gibt es doch in wohlhabenden Kreisen 
auch genug, die für ihr Wohlleben nicht das geringste 
Entgelt der anderen arbeitenden Menschheit bieten. Siehe 
so manchen Vaterssohn, der mit einem goldenen oder 
silbernen Löffel im Munde geboren wurde. Siehe so 
manche Mutterstochter, die nichts weiter versteht, als sich 
gut oder schlecht zu kleiden und in ihrer Langenweile 
aus allerlei Gedanken kommt. 
Der Wert eines Menschen sollte allein danach ge¬ 
schätzt werden, wie er sich zu den anderen Menschen stellt. 
Da muß nun allerdings gesagt werden, daß es doch 
sonderbar berührt, wenn ein gesunder Mann sich von 
einer Frau — und noch dazu aus solche Weise — ernähren 
läßt. Als Entschuldigung kann eben nur gelten, daß 
viele Zuhälter in Stunden des Leichtsinns oder der Ar¬ 
beitslosigkeit in ihre Lage kommen — und daß viele 
Prostituierte den Zuhälter, der in Arbeit geht, mit aller 
Gewalt wieder hereinzerren in ihr Leben, aus der Ar¬ 
beitsstelle „Krach" anfangen und ihn unmöglich machen.
        
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