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Die Psychologie des Zuhälters

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

Zur Psychologie des Zuhälters.

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Besuche empfing, im Zimmer versteckt anwesend war und sie genau kontrollierte.

Später kam seine Familie dazwischen, brachte die beiden auseinander — und die Sandke, eine exaltierte Person, erschoß in blinder Aufgeregtheit ihren Geliebten.

Wenn sich auch die Eifersucht des Zuhälters fast nie in solcher Form äußert — irgendwie Kocht sie doch in ihm und bringt dann jene Roheit hervor, die so oft dem Zuhälter als besondere Eigenart zugeschrieben wird.

Aber man muß hier auch an das Leben denken, das die beiden führen. Beide sind womöglich mit krankhaftem Nervensystem in ihren Beruf eingetreten. Oder sie sind, gezwungen, auf der Straße, in Kaschemmen und Kaffeehäusern zu leben, durch dies Leben krank geworden. Da kommen denn über den Zuhälter, meist im Rauschzustand, allerdings Roheitsanfälle. Die überwältigen ihn mich, wenn er merkt, daß ihn seine Prostituierte los fein will.

Sie ist seine Erwerbsquelle. Und das Wichtigste: Er befindet sich immer in einem stark geschlechtlich gereizten Zustand; lebt er doch immer im Dunstkreis dieser Vorgänge, dieser Vorstellungen und Ideen, der Ereignisse und Gespräche.

Verliert er nun plötzlich seine Prostituierte, so kommt es wohl vor, daß er anfängt zu toben und alles kurz und klein zu schlagen.

Das Zuhälterleben wirkt auch in anderer Weise auf den Zuhälter verderblich. Es kommt ziemlich oft vor, daß der Zuhälter sich irgendwelchen verbrecherischen Berufen zuneigt. Er wird gewerbsmäßiger Spieler, Taschendieb oder unternimmt wohl auch solche Stückchen, wie der Tischler Dulitz. Ein Gärtner hatte eine kleine Erbschaft gemacht und unternahm eine Vergnügungsfahrt durch Berlin, bei der ihn eine Prostituierte mit dem stark
        
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