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Dirne und Zuhälter

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

66 Großstadt-Dokumente Vd. 5. Zuhältertum in Berlin. 
Absteigequartiere oder haben eine Sozietät, d. h. sie be¬ 
sitzen gemeinschaftlich ein Karussell oder eine Roulette, 
mit denen sie auf den Märkten herumziehen. Besonders 
häufig geben sie vor Gericht an, Hundehändler zu sein, 
weil man ihnen da die Zeit und den Erwerb nicht nach¬ 
rechnen kann. Als Buchmacher bezeichnen sie sich dann 
gern, wenn sie wegen Zuhälterei angeklagt sind und erst 
kurz vorher wegen Buchmacherei verurteilt worden waren. 
Da haben sie den gerichtlich erbrachten Beweis, daß sie 
selbst einen einträglichen Beruf ausüben und also nicht 
von der Prostitution leben. 
Vielfach heiraten Dirne und Zuhälter einander, weil 
sie als Ehepaar leichter eine Wohnung finden, als wenn 
sie einzeln hausen oder als wenn die Prostituierte sich 
selbst eine Wohnung mietet. In der eigenen Wohnung 
aber leben sie viel wohlfeiler, als in Absteigequartieren 
und Pensionen. 
Bei diesen Ehepaaren entwickeln sich Beziehungen, 
wie sie in Arbeiter- und Kleinbürgerkreisen üblich sind. 
Die verheiratete Dirne bekommt etwas Frauenhaftes, 
während die unverheiratete und jene, die keinen Zuhälter 
hat, oft etwas Mädchenhaftes behält — aber auch leicht 
perversen Neigungen verfällt — wobei dann zwischen den 
Freundinnen das lesbische Zuhältertum erwächst. 
In diesen lesbischen Verhältnissen ist der männlich 
veranlagte Teil der Verdiener, während der zuhälterische 
Teil oft die Rolle der braven Hausfrau ausfüllt. Der 
weibliche Zuhälter ist viel bösartiger, blutsaugerischer und 
gefährlicher als der männliche. Er ist schwerer zu er¬ 
kennen, oft nur an der Gleichheit der Kleidung mit der 
Prostituierten, oft nur an gleichen Hutformen, die er und 
sein Verhältnis tragen, oft auch nur daran, daß er mit 
einer männlich gekleideten oder gaminartigen Prosti¬ 
tuierten zusammen geht. Bei ihm sind die schlimmen
        
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