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Dirne und Zuhälter

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

64 Großstadt-Dokumente Bd. 5. Zuhältertum in Berlin.

das mit einer Einnahme von 20 bis 100 Mark nur „genügend" sich bezahlt findet.

Nach dem Südwesten hin macht das Zuhältertum wiederum ein schlechtes Geschäft, denn da ist ein Verdienst von 10 Mark die allergrößte Seltenheit und der Durchschnitt bleibt meistens bei 5 Mark, oft genug bei 2 Mark wochenlang stehen. Von der Katzbach- bis zur Vülow-straße stellt sich die Sache ähnlich dar. Würde man als Quelle für diese Zahlenergebnisse das Zuhältertum selber heranziehen, so würde man sicherlich aus Widerspruch stoßen, und sich der einzelne Zuhälter als das harmloseste Geschöpf unter der Sonne hinzustellen wissen.

Natürlich sind in den Einnahme-Angaben der Zuhälter nicht die Auslagen mit Inbegriffen, welche als Geschäftsspesen betrachtet werden müssen. So die Getränke in den Kneipen, die Zigarren und eventuell auch die Droschken, welches alles die Dirne zu bezahlen hat.

So äußerte sich ein Beobachter vor mehreren Jahren. Er übersah dabei das Scheunenviertel und die Gegend bei der Zimmerstraße Und die Hinterstraßen der Friedrichstadt überhaupt. Alle die Mädchen der Friedrichstadt leben auf größerem Fuße — und ebenso der Zuhälter. Ihre Lebenshaltung bewegt sich in der Linie des mit reichlichem Einkommen gesegneten Mittelstandes der Großstadt. Im Scheunenviertel aber leben die Zuhälter etwa wie ein besser gestellter Arbeiter. Ebenso im Osten Berlins und im Südosten. Unter diese Lebenshaltung hinunter gehen eigentlich nur die Kanalbrüder, eine Art Penn-brüder, die es mit Schifferdirnen halten.

3m allgemeinen ist ihre Lebenshaltung aus der Art ihres Obdachs zu erkennen. Die Zuhälter der Friedrichstadt und die meisten des Oranienburger Tor-Viertels haben ein möbliertes Zimmer, meist getrennt von dem der prostituierten, in einer anderen Straße. Viele sind auch mit
        
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