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Dirne und Zuhälter

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

Dirne und Zuhälter.

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R. Hermann: Wie in jedem Stand sehen wir Klassen, die materiell stufenweise besser und schlechter stehen. Immerhin aber verdient die letzte Kategorie des Louistums noch mehr als einen durchschnittlichen Arbeitslohn in den besser bezahlten Gewerken. Auf dem niedersten Rang stehen jene unfortunates ladies („unglückliche Mädchen", wie sie der Londoner in seinem Ostend benennt), die in Berlin vorwiegend die Vorstädte bevölkern. Natürlich ist es der äußerste Norden Berlins, besonders die Gegend um den Friedrichshain herum und der Elisabethkirche, wo der pflichtgetreue Nachtwächter Braun sein schreckliches Ende fand.

Dann zunächst rangiert die Luisenstadt, besonders in den Quartieren um den Moritzplatz herum. Schon intellektuell, wie moralisch höher steht dasZuhältertum der unteren königgrätzer Straße. Ihren hauptsächlichen Vorrat an verdorbenen Weiberexistenzen schüttet das Gefängnis in der Barnimstraße über die Gegend zunächst der Wilhelm-straße in ihrem Zuge vom Bellealliance-Platz bis zur Anhaltstraße und über die Mrkstraße und sortsetzungs-weise Bülowstraße von der katzbachstraße bis zum Denne-witzplatz aus. Vornehmer stellt sich Dirnen- und Zuhälter-tunt dar in der Dorotheenstadt bis zu den „Linden" und der Passage, die auch am Tage unter sicherer Vorhut von den Mädchen der öffentlichen Schande durchschwärmt wird.

Ebenso verschieden wie diese Kategorie des Dirnentums macht sich auch das Zuhältertum bezahlt. Im hohen Norden dürste für den Zuhälter der Reingewinn für seine Dienste sich wenig über 2 Mark belaufen. Er schreitet erst fort, je mehr sich die Beschützer der öffentlichen Dirnen nach dem Süden hinziehen, und dürste in der Dorotheenstadt um die „Linden", Passage usw. sich mit 12 Mark am höchsten stellen. Man darf dabei allerdings nicht außer acht lassen, daß hier das gentile Dirnentum in Blüte steht,
        
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