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Dirne und Zuhälter

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

62 Großstadt-Dokumente Bd. 5. Zuhältertum in Berlin.

wird, doch aber den Untergrund für die Erkaltung der Zuneigung beider Teile abgibt, kommt es denn auch dazu, daß die Prostituierten oft den Zuhälter und die Zuhälter oft die Prostituierte wechseln. Auch das unruhige Leben, das beide führen — bald ist sie krank oder in Haft, bald hat er eine Strafe abzumachen —, bringt diesen häufigen Wechsel mit sich. Selten dauert ein solches Verhältnis länger als einige Jahre. Oft nur einige Monate.

Da sich die Verbindung beider Teile oft nur auf geschäftliche Gründe stützt — der Zuhälter wenigstens kann häufig diesem Geschöpf, das ihm mit regelmäßigem Treubruch dient, nicht immer Liebe entgegenbringen oder bewahren —, so Kommt es oft vor, daß der Zuhälter nebenbei ein Liebesverhältnis mit einem Mädchen hat, das ihm ganz allein gehört. Will doch auch die Dirne nur einen Mann, der ihr allein gehört. Sie darf nichts davon erfahren, daß ihr Zuhälter noch ein anderes Mädchen hat. Aus diesem Grund, und um bei dem Mädchen, mit dem er ein Liebesverhältnis unterhält, nicht anzustoßen, läßt er es nichts merken, wovon er lebt. So hatte einer der mir bekannten Zuhälter vor Jahren ein Verhältnis mit der Tochter eines Gastwirts. Später lebte er längere Zeit mit einem Mädchen zusammen, ließ es die Schneiderei lernen, kaufte ihm eine Nähmaschine und Möbel, so daß es sich selbst ernähren konnte, als er sich von ihm trennte.

Das alles konnte er nur als Zuhälter einer gentilen Dirne, die große Einnahmen hatte und auch ihn reichlich subventionierte. Ist doch jede Prostituierte stolz, ihren Zuhälter so reich wie möglich zu subventionieren, ihn zu beschenken, ihn gut zu kleiden und ihn mit Goldwaren zu behängen. Das soll ihn nicht nur an sie fesseln — das soll sie auch vor den anderen Prostituierten auszeichnen. Über die Höhe des Einkommens berichtete
        
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