Path:
Dirne und Zuhälter

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

Dirne und Zuhälter.	61

geben, der ihr erlaubt, ihr Zeugnis zu verweigern, so daß der Zuhälter aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden mutz. Meist geben dann die Dirnen an, dasz der Zuhälter mit ihr verlobt sei. Irgendeine Feier, bei der sie gesagt haben, sie feierten die Verlobung miteinander, muß dann als Beweis herhalten, wenn sich nicht sogar in irgend einer Zeituug die womöglich einige Jahre alte Verlobungsanzeige auffinden läßt.

Da aber die Prügelei oft aus der Eifersucht entstanden ist und eine zweite Prostituierte eine Rolle in dem ganzen Vorgang spielt, wird er komplizierter.

Die zweite Prostituierte ist natürlich aus Liebe zum Zuhälter gern bereit, nichts gegen ihn auszusagen. So finden sich denn nach der Freisprechung alle Beteiligten in einem Lokal unweit des Gerichts zusammen. Bei der Feier entstehen aber meist wieder Differenzen, welcher Dirne denn der Zuhälter eigentlich gehören solle. Eine von ihnen läuft wieder zur Polizei — und diesmal läßt ihn das Gericht nicht laufen.

Da nun die Prostituierte den Zuhälter wirklich in der Hand hat — braucht sie ihn doch nur zu denunzieren und zu sagen, er nehme Geld von ihr —, so wächst nach und nach eine Empfindung in ihni, die aus Zorn und Hatz gemischt ist. Und in dieser Stimmung mag es vorkommen, daß er die Prostituierte wirklich mißhandelt, daß er die Rache vorwegnimmt oder ihr zeigen will, was ihr bevorsteht, wenn sie ihn ins Gefängnis bringt.

So hat jene Prostituierte, die ihren Zuhälter angezeigt hat, denn auch keinen leichten Stand in den Kaschemmen. Die anderen Zuhälter sind ihr nicht wohl-gesonnen, ja drohen ihr wohl gar.

In all dem Mischmasch aus Eifersucht und fortwährendem Treubruch, den die Dirne berufsmäßig begeht, der zwar im allgemeinen nicht als Treubruch betrachtet
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.