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Dirne und Zuhälter

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

60 Großstadt-Dokumente Bd. 5. Zuhältertum in Berlin.

bringen kann, weil ihr Beruf ebenso treulos ist, wird sie so entsetzlich von der Eifersucht geplagt, daß sie nur einen Menschen gebrauchen kann, der durchaus von ihr abhängt, der zur Treue gezwungen ist, will er nicht plötzlich mittellos dastehen. Aus diesem Grunde hält sie es mit solchen Männern, die arbeitslos sind, die nicht erwerbsfähig sind, oder die arbeitsunlustig sind. Ja, sie bringt es auch fertig, einen Mann arbeitslos zu machen, wenn er ihr gerade gefällt. Siehe Zuhälters Werdegang.

Die Dirne ist aber nicht nur eifersüchtig. Sie will sehen, daß auch ihr Zuhälter eifersüchtig aus sie ist. Sie glaubt, oder fühlt wenigstens so: Liebe mutz sich in Eifersucht äußern. Und um mit der Eifersucht (Liebe) ihres Zuhälters prahlen zu können, reizt sie den Zuhälter auf alle mögliche Weise, sie zu schlagen. Bleibt er ruhig, durchschaut er ihr Spiel, so erklären sie ihn wohl für einen Mann, der gar kein Mann ist — und sind erst beruhigt, wenn er ihnen gezeigt hat, daß er ein „Mann" ist. Dann prahlen sie tatsächlich mit den Beulen und Flecken untereinander — und messen danach den Grad der Liebe, den jede von ihrem Zuhälter erhält.

Durch diese Vorgänge wird natürlich die Brutalität in das Verhältnis zwischen Dirne und Zuhälter eingeführt. Und so kommt es denn vor, daß die Dirnen, die erst Prügel haben wollten, auch schließlich oft gegen ihren Wunsch vorn Zuhälter geschlagen werden.

Dann lausen sie mit verschwollenem Gesicht zur Polizei und bitten, daß die sie von dem entsetzlichen Menschen befreie — um am nächsten Tage wieder hinzulaufen und zu bitten, den hochanständigen Mann freizulassen. Das kann die Polizei dann nicht mehr tun, tut es mich nicht, sondern übergibt den Zuhälter der Staatsanwaltschaft. Nun läuft die Prostituierte zum Rechtsanwalt. Der kann ihr nichts anderes raten, als irgendeinen Grund anzu-
        
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