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Dirne und Zuhälter

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

Dirne und Zuhälter.

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und Geschenke zuzuwenden. Er ist ihr Kind — das sie, wie jede Mutter, beputzen und behängen. Er ist ihr Mann, dem sie aus ihre Weise das Leben angenehm machen.

Trotz alledem finden sich nicht genug Männer, die sich zum Zuhälter hergeben. Zm Prozeß Lucie Berlin war die Rede davon, daß sich die Zahl der Zuhälter zu der der Dirnen wie 1:5 verhalte. So kommt es hier und da vor, daß sich zwei Prostituierte an einen Zuhälter anklammern. Die eine will dann die andere übertreffen in Geschenken und Zuwendungen. So kommt es auch vor, daß die eine Dirne der andern Dirne den Zuhälter abspenstig machen will und ihn mit allerlei Lockungen und Versprechungen umgarnt.

Da nun einmal in diesen Kreisen der Geldpunkt zwischen Mann und Weib sich eingeschoben hat, da der Zuhälter schließlich dahinterkommt, daß er seine Liebe und seine Dienste bezahlt erhält, so liegt es ihm nahe, sie sich so hoch wie möglich bezahlen zu lassen und sich dies kostspielige Leben in den kneipen, zu dem ihn sein Berus zwingt, so gut wie möglich zu erleichtern.

Bei der Dirne ist eine fortwährende Eifersucht vorhanden. Und dieser Eifersucht wegen will sie den Zuhälter auch so leicht wie möglich erreichen und kontrollieren können — und zwingt ihn zum Leben in den Kaschemmen.

Das alles geschieht gar nicht immer bewußt, sondern, wie ja so vieles im menschlichen Leben, durchaus triebhaft, aus dem Instinkt heraus.

Es erscheint lächerlich, daß die Dirne, die doch dem Berufe nach die größte Treubrecherin und Verlockerin zum Treubruch ist, mit einer grenzenlosen Eifersucht schwanger geht. Aber gerade, weil sie nicht an Treue glaubt, weil sie nicht das notwendige Vertrauen auf-
        
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