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Zuhälterdienste

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

52 Großstadt-Dokumente Bd. 5. Zuhältertum in Berlin. 
sich nicht hinter den Gardinen und den Fensterläden 
verbarg. 
Da mutzte nun der Zuhälter Schmiere stehen, am 
Eingang der Straße Obacht geben, ob die Kontrolle 
nahe. Und nahte die, dann mußte er schleunigst den 
Prostituierten Winke oder Nachricht geben, daß sie zu 
verschwinden hätten. 
Heute schützen sich die Prostituierten aus andere 
Weise vor den Beamten der Sittenpolizei: 
Gewöhnlich bewegen sich die öffentlichen Mädchen 
um bestimmte Stratzenvierecke oder sie pendeln einen 
gewissen Stratzenzug aus und ab. Sieht nun eine der 
Prostituierten den ihr bekannten Beamten irgendwo aus 
der Lauer stehen — die Prostituierten kennen alle den 
Beamten ihres Reviers ganz genau; entweder haben sie 
schon mit ihm zu tun gehabt oder ihre Kolleginnen haben 
ihn ihr gezeigt — so sagen sie der nächsten ihr be¬ 
gegnenden Prostituierten leise Bescheid: 
„Drüben beim Zigarrenladen steht Lange!" 
So trügt eine jede die Nachricht um das Viereck 
herum oder die Straße hinab nach beiden Seiten. In 
wenigen Minuten ist das ganze Quartier von der An¬ 
wesenheit des Beamten unterrichtet, und alle hüten sich, 
irgendwelche Übertretungen zu begehen, miteinander zu 
gehen und zu sprechen oder mit Worten die Männer 
anzulocken. 
Hier haben die Prostituierten einen besseren Schutz¬ 
dienst eingerichtet, als ihn ihnen ihre Zuhälter jemals 
bieten können. 
Jener Zuhälterdienst, wie er jetzt noch in der Auf¬ 
fassung weiterer Kreise besteht und wie er ja wirklich, 
aber unter ganz anderen Verhältnissen, einmal bestanden 
hat, existiert also in Berlin nicht mehr. Der Berliner 
Zuhälter hat andere Dienste zu leisten.
        
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