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Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

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trägt, genau so aus wie ein echter Schnapsschänker von der Wolga. Nur ist er nicht immer so fuselvergnügt, sondern hat eher einen herrischen finsteren Ton an sich wie ein Woiwode. Seine kleinen Augen blitzen energisch und schlau aus dem fleischigen Gesicht heraus. Er geht sehr elegant gekleidet, stets kurzgeschoren, mit verschnittenem Schnurr-bart, lebt im Sommer von der Buchmacherei — und nur int Winter läßt er sich von Friederike ernähren, einer pompösen Dirne der Friedrichstadt, die es nur mit wohlhabenden alteren Herren aus der Provinz hält.

Der Verführer.

Vier Jahre Zuchthaus hat er hinter sich. Sein Gesicht weist noch die Spuren: gelbgraue Haut, die trocken über den hervorstehenden Knochen liegt. Die Augen oft scheu, oft aber von erschreckender Hinterlist und Gewalttätigkeit. Er leidet daran, alle Jahre wenigstens ein neues Verhältnis haben zu müssen. Und zwar ekelt ihn sein altes Verhältnis dann entsetzlich an. Er kann's nicht leiden, wenn ein Mädchen ordinär wird, holt sich ein Mädchen vorn Tanzboden und sängt eine Liebelei mit ihr an — während er immer noch von der andern lebt. Das Mädchen vorn Tanzboden fällt dem starken, energischen Menschen ganz anheim; er ist von rührender Zärtlichkeit und dabei von einer männlichen Festigkeit, der niemand widerstehen kann. Wenn er einmal ein paar hundert Mark im Spiel gewonnen hat, zieht er mit dem jungen Mädchen zusammen. Er glaubt, sie ernähren zu können. Wenn aber das Geld verbraucht ist, geht sie ganz von selbst auf die Straße, ist stolz, für ihn sorgen zu können — wird nach und nach Dirne — um dann von ihm im Stich gelassen zu werden.
        
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