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Zuhältertypen Der Kommissionär

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

44 Großstadt-Dokumente 93b. 5. Zuhältertum in Berlin.

von rastloser Redseligkeit, mit zynischem Witz begabt. Manchmal ist er nur an der typischen, glatt gescheitelten, geölten Frisur zu erkennen, bei der über der Stirn und den Schläfen zwei gleichgroße Schnörkel liegen.

Mendel.

Auch er ist jüdischer Abstammung und hat ein bleiches Zigarettenrauchergesicht, hält ein Absteigequartier und hat außer seiner Frau noch ein Verhältnis. Er ist dürr und schon säst verfallen. Aber wenn er in seinem Kreise ist, weiß er noch immer angeregt zu plaudern und zu streiten. Seine Phantasie fördert dann die groteskesten Bilder und Obszönitäten zutage, die dicht ans Pathologische streifen. Gegen Morgen, wenn er sich erschöpft hat, wird er sentimental und fragt:

„Na — hatte man gewußt, in welchem Sumpf man steckt? War man nicht zu dumm? . . . Wenn man noch mal jung wär, würde man sich schön hüten, in solchem stinkigen Dreckhaufen sich zu lagern und die

Jauche zu schlucken, als wenn sie Champagner wär-------------

Wat — würdest du in den Mist ringegangen sein, wenn du nicht so dumm gewesen wärst?" fragt er die andern.

Die wenden sich von ihm fort, als wenn sie sich fürchten, zum Nachdenken gezwungen zu werden: „Mendel ist verrückt! — reene verrückt!"

„Iawoll — wir waren alle zu dumm!" wiederholt er stumpfsinnig. „Zu dumm "

Fedor.

Er hat einen russischen Namen und sieht tritt seinem runden Kops, dett auf kurzem Hals ein kugeliger Körper
        
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