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Zuhältertypen Der Gönner

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

39

„3a, ja. Na, ich werde mal morgen früh mit ihr sprechen. Ich habe morgen draußen zu tun —"

„Ach ja — ach ja!" sagte der Baron ganz erfreut, zwang sich aber dann in seine gönnerhafte Art zurück: „Ja — dann brauche ich mich ja nicht mehr um die Sache zu kümmern, nicht wahr? So was ist doch recht unangenehm ... Natürlich, man hilft ja gern — aber... Na, Sie sind dann wohl so freundlich und schicken mir die Rechnung? Weiter habe ich mit der Sache nichts zu tun?"

„Ja—wenn Sie keine Nachricht wollen, wie die Sache jetzt steht?"

„Ist nicht nötig, ist nicht nötig!" wehrt der Baron ab.

„Ganz wie Sie wünschen!" lächelt der Rechtsanwalt verbindlich.

„Nein — nein — ich bin froh, wenn ich die Sache los bin!" meint der Baron so ganz von oben herunter und verabschiedet sich.

Dicht vor der Tür kehrt er um:

„Ach ja — wenn ich bitten darf, geben Sie mir doch morgen gleich Nachricht mit der Rohrpost — man kann doch nicht so sein —"

Und rasch geht er hinaus.

Nun weiß der Rechtsanwalt, daß dieser Baron nicht der Gönner der Dirne, sondern deren Zuhälter ist. Er gehört zu denen, die in den Weinlokalen des Potsdamer Viertels und am Nollendorfplatz ihren Stammtisch haben, immer noch mit Freunden früherer Zeiten aus gleichem Fusz verkehren, sich aus allen Rennplätzen sehen lassen, wohl gar in Klubs irgendeine Rolle spielen und so tun, als seien sie die Gönner der Kokotte, von der sie in Wirklichkeit leben und der sie die Bekanntschaft mit reichen lebemännischen Herren vermitteln — so gewissermaßen aus Spatz am Spatz. -----------------------
        
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