Path:
Zuhälters Werdegang Der Halbwüchsige

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

33

nach Hause. War wieder die Nacht unterwegs. Und kam so in einen Zustand von Müdigkeit und nervöser Gereiztheit, den er mit seinen sechzehn Jahren nicht verstand und nicht überwinden konnte.

Er blieb nicht nur des Nachts mit ihr zusammen. Er konnte überhaupt nicht mehr von ihr fort und trieb sich auch des Tags mit ihr herum — aus den brachliegenden Baustellen der Vorstädte, im Schlesischen Busch, aus dem Tempelhoser Feld — bis sie durch Prostitution sür beider Unterhalt sorgte und er eine Schlafstelle bezog.

Der Jockei.*

Der älteste Sohn einer reichen und angesehenen Kaufmannsfamilie im Südosten unserer Stadt besuchte um die Mitte der siebziger Jahre die Luisenstädtische Realschule in der Sebastianstraße und hob sich schon damals in einem Alter, wo andere seinesgleichen noch gänzlich unberührt sind von den herberen Einsichten des Lebens, durch brutales und zynisches Verhalten gegen Lehrer und Mitschüler von der Zahl der letzteren unvorteilhaft ab; man sah deutlich eine Frucht heranreifen, die es der Schulleitung mehr als wünschenswert machen mußte, sich ihrer zur Bewahrung der anderen recht bald zu entledigen. Das Consilium abeundi oder die eigene traurige Überzeugung der beklagenswerten Eltern führte dies schließlich herbei, und der junge, sonst gut veranlagte Mensch ist seitdem in der Entwicklung niederwärts mit entsetzenerregender Schnelligkeit fortgeschritten. Als Jockei ist er endlich in die Schule verbrecherischer Nichtachtung der Ehre, des Eigentums und des Lebens seiner Mitmenschen eingetreten, und als Kaltblütiger, vorbestrafter

* Teilweise nach Reinhold Hermann.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.