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Zuhälters Werdegang Der Student

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

30 Großstadt-Dokumente Bd. 5. Zuhältertum in Berlin. 
Sie warf ihm vor, er hätte sie ins Elend hinein¬ 
gezogen. 
Er warf ihr vor, sie hänge ihm an wie eine riesige 
Klette aus Blei. 
Warum er sie denn nicht im Sumpf gelassen habe, 
wenn er nicht für sie sorgen könne? fragte sie. 
Schließlich weinten beide, voller Unglück, dem andern 
nicht das bieten zu können, was er brauchte — und 
vor Schmerzen, einander weh getan zu haben. 
So umarmten sie sich wieder. . . 
Sie hielt nun streng zu ihm. 
Da wurde er arbeitslos — und konnte keinen Ver¬ 
dienst finden. 
In dem Hunger, der über sie kam, wußte sie nichts 
anderes, als ihm einen Ausweg vorzuschlagen .. . 
Er kämpfte lange mit sich, mit dem Elend und mit 
ihr — und ließ sie nur gehen unter der Bedingung, daß 
sie nur so lange aus die Straße gehe, als er selbst nichts 
verdiene. 
Aber — als er erst einmal dies Brot gegessen, 
fühlte er sich so heruntergedrückt, daß er nicht mehr fähig 
war, hinaus zu wollen und zu kommen .. . 
Der Schulmeister. 
Er hatte eine Dummheit gemacht, war durchs Ge¬ 
fängnis gegangen und kam sich vor, wie abgetan. Seine 
Stubenkollegen hatten ihn getröstet und ihm Adressen 
gegeben, wo man ihm forthelfen würde. In seiner Klem- 
städtischen, niederdeutschen Täppischkeit wußte er sich 
nicht anders zu helfen, als dorthin zu gehen. Er kam 
in Kaschemmen und Absteigequartiere. Und man hals 
ihm. Das rührte ihn. Er sah, daß alle doch selbst nur
        
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