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Zuhälters Werdegang Der Kavalier

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

26 Großstadt-Dokumente Bd. 5. Zuhältertum in Berlin.

Mehrere von den Mädchen, mit denen er nun schon seit Jahren so herumzog, litten das nicht, wenn er nur des Geldes wegen nach seiner Wohnung gehen wollte. Sie pumpten ihm.

Schließlich mutzte er der einen eingestehen, daß sein Vater ihm kein Geld mehr schicke.

„Wart'ste auf die Erbschaft! Darum laß dir keine grauen Haare wachsen!"

Sie pumpten ihm weiter.

Von seinen Freunden merkte das keiner.

Aber — der „Olle" starb nicht. Die Erbschaft blieb aus.

Und der Kavalier leiht immer noch auf die glänzende Erbschaft hin. Wieviel er leiht, wird nicht ausgeschrieben. Und er leidet immer noch daran, daß er sich von seinen Bekannten nicht trennen kann. Mal sitzt er mit einem Bekannten von früher her in Weinkneipen herum. Bald hockt er die ganze Nacht mit anderen in irgend einem Vouillonkeller. —

Der Mediziner.

Er lernte sie in einem Ectfe kennen. Und verkehrte mit ihr aus medizinischem Interesse. Sie war tuberkulös und hatte auch sonst allerlei interessante Eigenheiten. Er wollte am eigenen Leibe erfahren, welche Mittel vor Ansteckung schützten.

Ihr häufiges Beisammensein brachte sie so nahe, daß er Mitleid hatte, wenn sie nichts verdiente, und ihr gut zuredete, sich an irgendeinen alten Knopp ran-zumachen, ja, daß er ihr half, den gründlich einzuwickeln, duhn zu machen und dann hochzunehmen.

Und da sein Geld zu dem kostspieligen Nachtleben nicht immer reichte, war er zufrieden, wenn sie dafür sorgte, daß die alten Herren seine Zeche mitbezahlten.
        
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