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Zuhälters Werdegang Der Kavalier

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

____________________  Zuhälters	Werdegang.	25

sehr knappen Groschen, einer der schneidigsten Reiter und der Tollste und Ansehnlichste der Schwadron. Sein Rittmeister drückte darum ein Auge zu, wenn Heinrich manches liebe Mal über die Stränge schlug, es mit dem Grundsatz motivierend: „Ein Kavallerist, das mutz ein flotter Bursche sein!"

Nach beendeter Dienstzeit wollte Heinrich sich von dem Mädchen befreien, sie aber zerrte ihn stets wieder in das Luderleben zurück. Er mußte es in ohnmächtiger Wut hinnehmen, wenn sie ihn unter wüsten Schimpfreden aus der Wohnung seiner Eltern holte. Hatte er soeben erst seiner gutherzigen Mutter versprochen, anders zu werden, so brauchte ihm das Mädchen nur gegenüberzustehen, und er folgte ihr willenlos. Sie hatte ihn bald ganz in ihrem Willen . . .

Der Kavalier.

Er war ein Muster. Er übertraf alle. Die größten Extravaganzen machte er mit, erfand neue, leitete sie — immer als Muster. Am lustigsten war's, wenn er morgens so um fünfe rum irgendeins der Mädchen, die keinen Herrn für die Nacht gefunden hatten, auf einem Bein tanzen ließ, bis sie schwindlig wurde und lang hinschlug. Zuletzt hatte er soviel Freundschaften in galanten Kreisen, daß er, um allen gerecht zu werden, fast gar nicht mehr nach Hause gehen konnte. Wenn er mit einem Bekannten zusammen war, konnte er sich nicht von ihm trennen, mochte das nun ein Mädchen oder ein Mann sein.

So ging's von einer Bar in die andere, von einem Ballokal ins andere. Oft genug ging er nur nach Hause, um sich Geld zu holen.
        
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