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Zuhälters Werdegang Der Junge Arbeiter I.

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

Zuhälters Werdegang. 
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fein und ging kneipen — bis in die Nacht hinein. Auf 
dem Wege von einem Lokal ins andere traf er ein Ge¬ 
sicht, das ihn freundlich anlächelte: das erste Lächeln, 
das in diesen kalten, hochummauerten Straßen ihm galt. 
-Im Nebel seines Vierkopses beglückte es ihn. Er ließ 
sich von dem Lächeln täuschen. Die Echtheit und Un- 
mittelbarkeit des jungen Menschen rührte das Mädchen 
so, daß sie auch echt wurde und sie beide nicht nur ein 
äußerliches, sondern auch ein innerliches Abenteuer er¬ 
lebten. Ihm tat ihre Weichheit wohl. Ihr sein Zutrauen 
und sein kameradschaftliches Anschließen. Sie war in 
dieser Nacht nicht die Dirne, die sich verkauft hatte. Sie 
war ihm eine Geliebte. 
So erwachte er am Sonntag Morgen bei ihr, die 
ihn so spät nicht mehr auf die Straße hatte hinauslassen 
wollen. Sie kochte ihm Kaffee, und dies Frühstück zu 
zweit schmolz sie beide ganz zusammen. Für den Nach¬ 
mittag verabredeten sie einen gemeinschaftlichen Bummel 
durch die Stadt. Er holte das gesparte Geld aus seiner 
Schlafstelle. Es ging in ein Tanzlokal. Von dort in ein 
Kaffeehaus. In ein Variete. Wieder in ein Tanzlokal. 
Dort lernte er allerlei Freundinnen der Alma kennen. 
Das war alles so familiär. . . 
Er hatte einen Kreis gefunden. 
Am nächsten Morgen erwachte er spät bei ihr. Äber- 
nächtigt, verkatert. Voll Arger, seinen ganzen Wochen- 
lohn an einem Tage verbracht zu haben, antwortete er 
unwirsch aus ihre freundlichen Fragen. Sie wußte ihn 
aber heiter zu stimmen und ihm das Versprechen ab¬ 
zunehmen, daß er am nächsten Tage aus eine Stunde 
des Abends zu ihr komme. 
Er hastete ins Geschäft. 
Sein Meister aber schnauzte ihn an. So ein junger 
Bursche hätte pünktlich zu sein.
        
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