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Vom Wesen des Zuhältertums

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

18 Großstadt-Dokumente 23b. 5. Zuhältertum in Berlin. 
anmalt — een Weib braucht ’n Mann, een' Mann, der 
uff se uffpaßt und se bei de Zügel kriegt, wenn se wild ** 
wird . . . Und sehn Sie, Eugen hat des jekonnt. Und 
dafor war ick ihm jut. Und wenn er mir jehaun hat —" 
„So, mißhandelt hat er Sie auch?" 
„Nee — mißhandelt nich. Bloß jehaun hat er mir 
manchmal. Aber bet jeht doch jede Frau so. Oh — 
Sie müßten mal meine Schwestern sehn, wat die for 
Senge besehn von ihre Männer. Und det sind ehrliche 
Arbeiter. Det is nich anders bei arme Leute ... Daraus 
hätte ick mir ooch nischt gemacht. Bloß, daß er mit die 
andere jing . Aber na, ick habe't mir nun über¬ 
legt und mechte'n doch nich jerne verurteilen lassen." 
„Er soll also zu Ihnen zurückkommen?" 
„3a — jewiß. Iern habe ick'n doch noch immer. 
Wenn er ooch nich mein Beschützer is — Zott, Herr 
Rechtsanwalt — Sie wissen doch, wat man jeschäftlich 
zu dun hat, det füllt det Herze nich aus. Warum soll 
ick nich ooch 'n Mann haben, wie andere Weiber? Ick 
habe ooch Bedürfnis nach Liebe. Wenn det nich wär — 
denn brauchten wir keene Zuhälter." 
Diese typische Unterhaltung, die den ausgesprochenen, 
manchmal auch unausgesprochenen Kern des Gespräches 
einer Dirne mit dem Rechtsanwalt bildet, den sie zum 
Verteidiger ihres Zuhälters gewinnen will, enthält das 
wirkliche Wesen des Zuhältertums: 
Die Dirne hat das weibliche Bestreben, ihre weiche 
weibliche Natur irgendeinem männlichen Geschöpf fester 
anzugliedern. Ihre Besucher, die nur zu geschäftlichen 
Zwecken zu ihr kommen, sind und bleiben ihr fremd. 
So ermacht der Trieb in ihr, im raschen Wechsel der 
Erscheinungen doch zu einem festen Punkt zu kommen. 
Ist sie den Besuchern die Ware, fühlte sie sich als 
Ware — so erwachten im selben Augenblick, wo sie sich
        
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