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Vom Wesen des Zuhältertums

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

Dom Wesen des Zuhältertums.	17

„Ja."

„Hat er Sie denn gezwungen, auf die Straße zu gehen, Ihren Erwerb in der Unzucht zu suchen?"

„Ach wo — ick war doch schon längst unter Sitte, als ick ihn kennen lernte."

„Sie wären also auch auf die Straße gegangen, wenn Sie nicht mit ihm zusammengelebt hätten?"

„Na — natürlich, Herr Rechtsanwalt!"

„Und dafür, daß Sie seinen Lebensunterhalt be-stritten, spielte er die Rolle Ihres Beschützers?"

„Ach — Herr Rechtsanwalt — Sie wissen doch, daß wir keinen Beschützer brauchen. Er hat mir nie beschützen brauchen. Ick habe ihn jern gehabt ... Und weil ick ihn alleene haben wollte, dadrum habe ick ihm Ield jejeben..."

„Das war Ihnen doch ein teurer Spaß?"

„Ach, wissen Sie, Herr Rechtsanwalt, wenn wir Kernen Kerl haben — denn machen wir lauter Dummheiten mit's Ield. Denn jeht's den janzen Dag Droschke-sahren — und Ainkerlitzken koosen — und denn wird jetrunken — da kommt nischt Iutes bei raus. Da sitzen wir in de Schulden — und aus Varnim* kommen wir überhaupt nich mehr. Dann dauerte nich lange und wir sind unter de Räder. Vollkommen fertig."

„Na, ich kenne aber doch Mädchen, die keinen Zuhälter haben und sich Geld sparen und eine schöne Wirtschaft haben!"

"Ia — Herr Rechtsanwalt — bet sind mal so'ne Einzelnen, wie de Goldmeta. Aber — wenn ick det versuchen würde — ei weh — eene paar Wochen — und der Dotenjräber hat wieder wat zu dhun! .. . Iawoll, haben wir schon alles ausjeprobt . . . Nee, Herr Rechts-

* Barnim = Berliner Frauengefängnis in der Barnimstraße.
        
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