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Vom Wesen des Zuhältertums

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

16 Großstadt-Dokumente Bd. 5. Zuhültertum in Berlin.

wohl nicht schwer zu entscheiden. Im selben Augenblick, wo die abenteuerlustigen Fremden, Provinzler und Berliner, zur geschlechtlichen Abstinenz übergehen würden, müßte das riesige Dirnenheer zusammenschrumpfen und verschwinden. Da aber nur allzu viele die kleine Lebensfreude, die ihnen eine Dirne gewähren kann, nicht missen wollen, so wird auch die Prostitution nicht aus dem Bild der Großstadt und des Lebens überhaupt scheiden — ebensowenig aber das Zuhültertum.

Warum nun aber das Zuhültertum nicht vorn Dirnentum zu trennen ist, warum das Dirnentum ohne Zuhültertum nicht existieren kann, mag der typische Verlauf des ersten Gesprächs eines Rechtsanwalts mit der Dirne, die ihren verhafteten Zuhälter frei haben will, also schildern:

In der Sprechstunde eines Rechtsanwalts, der schon mehrere hundert Zuhälter verteidigt hat, läßt sich ein Mädchen melden: „Ach, Herr Rechtsanwalt, da haben se meinen Vräutjam verhaftet — und ick mechte ’tt doch jerne wieder frei haben. Würden Sie so freundlich sind?"

„Ja — weswegen ist er denn in Untersuchungshaft?"

„Na — wie det so kommt er hatte mir je-

ärjert, ja — er hat sich sojar an mir verjriffen, der Kerl ... Un warum? Bloß — wejen de andre! ..."

„Also — er hat außer Ihnen noch eine andre?"

„Ja doch! Un det wollte ick mir nich jesallen lassen. Und da haut er mir noch obendrin — na, da hab ick eben 'n Brief an de Polizei jeschrieben."

„Und nun tut es Ihnen leid?"

„Na ja — ick mechte 'n jern wieder raus haben!"

„Weswegen ist er denn verhaftet worden?"

„Na — wegen Zuhälterei! Sie wissen ja ..."

„So — er soll Ihnen also Zuhälterdienste geleistet haben?"
        
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