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Vom Wesen des Zuhältertums

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

Vorn Wesen des Zuhältertums.	15

Aus welchem Grund baut sich die ganze Prostitution auf? Welches sind ihre Bedingungen?

Doch nur die eines jeden Marktes: Angebot und Nachfrage.

Vom Zuhälter wird die Prostitution wahrlich nicht geschaffen. Sie ist eine alte Einrichtung der menschlichen Gesellschaft, beruht aus ganz bestimmten sozialen und physischen und auch psychologischen Gesetzen. Viele Männer, die wegen ihrer sozialen und gesellschaftlichen Lage erst spät heiraten können, sind genötigt, das Dirnentum zu benutzen. Andere sind fortwährend auf Reisen und entbehren also ihre Familie. Wieder andere sind durchaus nicht monogam v er anlangt, haben sich die antimonogamen Neigungen vielleicht auch erst in ihrer erzwungenen langen Ehelosigkeit erworben. Viele aber treibt innere Haltlosigkeit, Abenteuerdrang, schlechte Gewohnheit und ähnliches aus die Jagd nach der gefälligen Dirne. Am häufigsten ist es wohl der Übermut des vollen Portemonnaies, der den Männern das Blut lüstern macht. Ist doch der stärkste und ständigste DirnenmarKt in den Vierteln zu finden, in denen eine zahlungsfähige Männerwelt durch die Vergnügungslokale und nächtlichen Straßen zieht. In den Arbeitervierteln aber gibt es „Striche", die nur an Lohntagen oder wenige Tage später belebt sind. Und auch diese Striche sind recht spärlich. Der Arbeiter hat eben kein Geld für die Prostituierte übrig. Er hat Liebschaften in seinen Kreisen und heiratet auch in jungen Iahren. Iedensalls fehlt den Arbeitervierteln das Geld, eine größere Zahl von Prostituierten zu unterhalten — womit der Zusammenhang des Dirnentums mit den sozialen Verhältnissen wohl genügend festgestellt ist.

Wer also für das Vorhandensein des Dirnentums verantwortlich zu machen ist — der Zuhälter oder der Nachfrager und Käufer auf dem DirnenmarKt —, das ist
        
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