Path:
Vom Wesen des Zuhältertums

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

14 Großstadt-Dokumente 23b. 5. Zuhältertum in Berlin.

dem Mädchen folgten, mußten gutwillig ihre gesamte Barschaft und auch wohl ihre Uhr übergeben. Gaben sie ihr Eigentum nicht gutwillig her, so bandelten die Kumpane des Mädchens aus irgend einem herbeigezerrten Grund eine Schlägerei mit dem Besucher an — die dem stets sein ganzes Besitztum kostete, ihm eine tüchtige Abfuhr und auch einen unfreiwilligen Rückzug einbrachte.

Dies Treiben aber währte tatsächlich nicht lange.

Einige der Betroffenen mögen geschwiegen haben. Aber bald fanden sich solche, die nach Hilfe und Abhilfe riefen. Und bald wurde das Nest ausgenommen.

Nein, mit solchen Dingen geben sich die Zuhälter nicht ab. Sie wissen, daß sie sich damit ihr Geschäft zerstören, daß sie die Besucher ihres Mädchens abschrecken und so die Zahl der Besucher und damit ihren eigenen Verdienst vermindern würden. Derartige Vorkommnisse sind immer sehr vereinzelt. Und sie werden sich auch nur dort ereignen, wo der gewöhnliche Lohnsatz für die Dirnen-dienste so gering ist, daß er nicht immer ausreicht, Dirne und Zuhälter einigermaßen zu ernähren. Dies ist sehr leicht im Scheunenviertel der Fall. Dort übersteigt der Verdienst einer Dirne fast nie zwei Mark für den Besuch. Ja, in den letzten Tagen der Woche, wenn der Arbeiterschaft das Geld ausgeht, sinken die Preise aus dem Dirnen-markt der Hirten-, Linien-, Weydinger-, koblank- und Dragonerstraße ganz bedeutend unter das Normalmaß von zwei Mark.

Da nun aber die Zuhälter die Rolle des Beschützers und Ausräubers nicht spielen, so müssen sie natürlich irgendeinen anderen Zweck im Leben der Dirne erfüllen.

Es heißt nun, die Zuhälter find jene Unmenschen, die die Dirnen aus die Straßen treiben.

Auch diese Behauptung ist widersinnig.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.