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Vom Wesen des Zuhältertums

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

Vom Wesen des Zuhältertunrs.

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Die Hauptarbeit aber soll der Zuhälter leisten, indem er sein Mädchen vor der Sittenpolizei schütze, es rechtzeitig warne, wenn der Sittenpolizist seinen Beobachtungsgang antrete, und auch dem Mädchen vorausgehe, um zu ermitteln, ob die Luft rein sei.

Von alledem ist kein Wort wahr.

Gerade in jener Zeit, in der die Mädchen aus der Straße hin und her pendeln, sind die Lokale, die Cafes, Restaurants, Destillen und Bouillonkeller, in denen die ganze Welt der Prostitution, die Dirnen und ihre Zuhälter verkehren, am stärksten besucht. Ja, in den Lokalen, in denen der Zuhälter Stammgast ist, findet er sich gerade dann stets ein, wenn seine Gefährtin ihrem Geschäft nachgeht. Er kann also ebensowenig die Rolle des Beschützers in der Behausung der Dirne, wie die Rolle des Beschützers vor der „Sitte" aus der Straße spielen. Noch weniger kommt seine Tätigkeit als Ausrauber der Kunden seines Mädchens in Frage. Würde der Zuhälter in allen oder nur in vielen Fällen die immerhin peinliche Lage der -Begleiter des Mädchens — Freier nennt sie der Berliner — ausnutzen, um ihnen selbst auch gewaltsam die Taschen zu leeren, so würde er dies Handwerk nicht lange treiben können. Die jungen Leute würden sich gar nicht schämen, zur Polizei laufen — und das Quartier der Dirne oder das von anderen unterhaltene Absteigequartier würde aufgehoben werden, und mit der Herrlichkeit wäre es zu Ende.

In der erbärmlichen, verfallenden Gegend des Scheu-nenviertels ist es allerdings vor nicht langer Zeit vorgekommen, daß sich mehrere Zuhälter mit einem Mädchen zusammentaten, um die von ihm angelockten Leute auszuplündern. Sie hatten sich einen Keller gemietet, der einen Eingang von der Straße hatte. Die Fenster und Türen wurden dicht verhängt. Die jungen Männer, die
        
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