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Vom Wesen des Zuhältertums

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

12 Großstadt-Dokumente 23b. 5. Zuhältertum in Berlin. 
sind immer mutterseelenallein mit ihrem unbekannten 
Galan im Zimmer, denn oft geht auch die Wirtin aus 
die Straße, und ist die Wirtin daheim, so ist sie meist 
altersschwach und hinfällig, nicht imstande, ihrer Mieterin 
im Augenblick einer Gefahr beizustehen. 
So ist denn der zuhälterische Beschützer ein notwen¬ 
diges Äbel geworden. Die Dirne ist nicht mehr allein, 
im Nebenzimmer oder in der Küche oder im Korridor 
versteckt hält sich ein robuster Mensch aus, der im Moment 
der Gefahr hervorspringt und den Beschützer abgibt. 
Entweder schützt er das Mädchen gegen rohe Ausfälle 
oder gegen Schnorrerei. Der Effekt ist: Zahlung des 
verweigerten Obolus und stumme Verabschiedung oder 
eklatanter Rausfchmiß. 
Sieht man einmal ab von der Unwürdigkeit dieses 
ganzen Liebesgeschästs, betrachtet man die Prostitution 
als notwendig und die nicht kasernierte als Tatsache, 
so muß man sagen: Der Zuhälter ist für die Dirne so 
notwendig, wie der Schutzmann für das Publikum." 
Das alles sieht ganz plausibel aus. Aber der kluge 
Räsonneur des Wochenblattes hat hier nicht nach der 
Natur gezeichnet. Seine Phantasie malte nur das aus, 
was andere vor ihm weniger deutlich in Zeitungen ge¬ 
schrieben hatten. 
Nun ist es ja erklärlich, daß man sich denkt: Für 
seine mehr oder weniger reichliche Bezahlung müsse der 
Zuhälter doch irgendwelche Dienste leisten. Und da denkt 
man zuerst an die Wehrlosigkeit oder wenigstens recht 
bedingte Wehrfähigkeit des gefälligen Mädchens. Auch 
sind viele Männer gern geneigt, ihren eigenen Abenteuern 
einen kleinen romantischen Reiz zu geben und von dem 
Mann zu faseln, der mit dem Messer in der Hand aus 
die Besucher des Mädchens warte, um sie zu überfallen 
und auszurauben.
	        
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