Path:
Introduction

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

6 Großstadt-Dokumente 23b. 5. Zuhältertum in Berlin.

Ein anderer sehr bemerkenswerter Fall wurde erst in diesen Tagen von den Zeitungen berichtet. Der frühere stud. phil., Agent Eugen von Steubing hatte sich vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Der dreißigjährige Angeklagte wurde beschuldigt, im Jahre 1898 gemeinschaftlich mit einem nicht zu ermittelnden Kaufmann Ionas zwei Kreditschwindeleien verübt zu haben. Die Eltern des Angeklagten waren früher sehr vermögend, haben sich aber durch den, mir pathologisch erscheinenden Leichtsinn ihres Sohnes vollkommen ruinieren lassen. Der Vater Steubings ist pensionierter Oberst. Trotzdem dem Angeklagten reichliche Unterstützungen in seiner Studienzeit zuflössen, machte er Schulden. Wenn er des Morgens einen Tausendmarkschein erhielt, dann borgte er des Abends schon wieder seine Freundinnen, Besucherinnen der Tanzsäle und lebemännischen Nachtlokale, an — ohne zu fragen, woher sie das Geld hatten. Aus diesen Pumpfreundschaften entwickelten sich feste Verhältnisse — und er, der früher selbst zahlreiche Mädchen frequentiert und in Nahrung gesetzt hatte, wurde nun von ihnen ernährt — Zuhälter.

In der Verhandlung wurde festgestellt, daß der Angeklagte erblich belastet und geisteskrank sei. Wegen Unzurechnungsfähigkeit mutzte er freigesprochen werden.

Schon diese drei Fälle sind grundverschieden und geben verschiedene Ausblicke und verlangen verschiedene Betrachtungen.

Und da zugleich durch sie wichtige Fragen aufgerollt werden — handelt es sich bei vielen dieser Individuen nicht wirklich um Unzurechnungsfähigkeit? Und find Unzurechnungsfähige straffähig — oder gehören sie in die Freiheit? — oder sollen sie in Anstalten eingesperrt werden? — so halte ich es für gerechtfertigt,
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.