Path:
Advertising

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

rote Zimmer

Sozialer Roman von

August Strindberg

Vorn Erscheinen des «roten Zimmers», Weihnachten 1879, datiert Schweden Beine moderne Literatur.

Ola Hansson: «Das rote Zimmer wirkte wie die Feuerglocke in der Nacht: alles fuhr aui, und überall sah man den roten Schein in den Fenstern; aber es wirkte auch wie ein Morgengeläute zum Frühdienst: wenn man sich den Schlaf aus den Augen rieb, sah man, dass der rote Schein von der Sonne kam, die aufging.»

Oscar Levertin: «Das rote Zimmer» wurde für eine ganze Generation zuerst ein heiliges, dann ein klassisches Buch: kaum ein andres schwedisches Dichtwerk hat eine solche Frontveriindrung in unsrer Literatur zur Folge gehabt und eine solch? Sammlung junger, neuer Kräfte zu Stande gebracht.»

Gustaf af Geijerstam: «Das rote Zimmer» kam wie derJEisgang im Frühling bei dem grosse rauhe Eisblöcke unter krachendem Getöse auf den gelbbraun schäumenden Strömen ins Meer hinaustanzen. Es kam mit der Botschaft, dass der hemmende schwere Druck des Winters vorbei sei! Es war ungestüm, unruhig und gefährlich wie die Frühlingsflut; aber es musste kommen, auf dass die Ströme klar wurden für Seefahrt, und die Felder für Saat.»

David Sprengel: «Ja, es war der Eisgang, und bald stand man mitten in der Fruhhngsarbeit. Mit einer so organischen und so üppigen Vegetation schiesst eine neue Literatur in die Höhe, dass von Epigonentum nicht mehr die Rode sein kann Nach dem Doppelzimmer in der Grossstrasse, wo der Dichter des «roten Zimmers» wohnte, begibt sich der eine Schriftsteller nach dem andern und macht ihm seine Aufwartung. Bleich, sehnsüchtig und schwärmerisch kommt Oscar Levertin mit seinem altjüdischen Profil; robust und lebensfrisch, aber von den Nächten des Schmerzes und den Tagen des Grübelns verfeinert, kommt Gustaf af Geijerstam; aus der von magischem Mondschein Überfluteten Ebene Schönens kommt Ola Hansson still und träumend .

«Das roie Zimmer» schildert den Entwicklungsgang einer Persönlichkeit durch alle Zweige menschlichen Wirkens und übt dabei an allem Verkehrten eine vernichtende Kritik. Auf der einen Seite ist der Roman eine Satire; eine Satire über die Bureaukratie, über die Revolverpresse, über den Gründungsschwindel, über das Schmierentheater, liber den Wobltütigkeitshumbug, über den Gelehrtendünkel über die Verlagsreklame, über die Grossmannssucht; kurz über alles, was schief und hohl und morsch ist. Auf der andern Seite ist das Buch aber ein Erziehungsroman und zwar von einer Gründlichkeit und einer unerbittlichen Konsequenz, dass man seinesgleichen in der Weltliteratur suchen kann. Arvid Falk, in dem sich Strindbere- selbst porträtiert hat macht eine furchtbare Schule durch, da er bis zum Grund seines Wesens von einer Wahrheitsliebe erfüllt ist, die ihn stets verhindert, seinen Frieden mit der konventionellen Gesellschaft zu schliesson. Aber in dieser Schule des Lebens reift der Mann in diesen Feuern der Leidenschaften wird seine Seele gestählt, und zum Schluss steht er da, aufrecht und fertig: eine Persönlichkeit! — Niederreissen und neu aufbauen tut das «Rote Zimmer; niederreissen und neu aufbauen tun auch die «Gotischen Zimmer», das soeben, fünfundzwanzig Jahre später, vollendete Gegenstück zum ersten Roman. In beiden Werken ist Strindberg nicht bloss Dichter sondern auch Reformator; iu beiden Werken wendet sich Strindberg an die Jugend -in beiden Werken halt er Gericht über die alte Generation. Der Unterschied zwischen beiden Romanen ist der, abgesehn davon, dass sie verschiedne Epochen und verschiedne Zustande schildern: aus dem Gewimmel kleinlicher, gemeiner und mich terner Menschen arbeitet sich die freie menschliche Persönlichkeit empor und beherrscht die Erde; aus dem Gezücht tierischer Menschen ringt sich die reine mensch-liehe Seele in die Hohe und schwingt sich zu den Sternen hinauf! Das Evangelium der Persönlichkeit verkündet der erste Roman, das Evangelium der Seele verkündet der zweite Roman. Tolle et lege ! Nimm und liess!

Der Roman «Das rote Zimmer» von August Strindberg kostet brosch.

4,—, geb. Mk. 5,50 und ist durch jede Buchhandlung des In- und Auslands zu beziehn. Wo der Bezug auf Schwierigkeiten stösst, wende man sich an den Verlag Hermann Seemann Nachfolger, Berlin SW, 11, Tempelhofer Ufer 2Q.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.