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Anarchisten-Prozesse

Full text: Aus den Tiefen der Berliner Arbeiterbewegung / Weidner, Albert

86 Großstadt-Dokumente Bd. 9. Berliner Arbeiterbewegung.

Spender eine Summe von ca. 60 Pfennigen gezeichnet hatten. Nun wäre die private Sammlung dieser Summe keineswegs anfechtbar gewesen; aber der Besitzer der Liste, in schroffen Tone nach dem auf der Liste gesammelten Gelde befragt und fürchtend, es könne ihm „konfisziert" werden, erklärte, um es zu retten, den Beamten, daß er es „vorläufig ausgegeben" habe.

Daraufhin erfolgte prompt eine Anklage wegen „Unterschlagung", die mit einer Verurteilung zu sechs Wochen Gefängnis endete.

Lin anderer Fall liegt noch krasser.

Gelegentlich einer Haussuchung fand sich in der Tasche eines ebenfalls noch sehr jugendlichen Arbeiters ein Dolchmesser vor. Gegen den Eigentümer schwebte durchaus keine Anklage oder Untersuchung. Trotzdem inquirierte ein Beamter denselben peinlich über die Herkunft des Messers. Dazu lag nun gar kein Grund vor. Aber durch diese Fragen eingeschüchtert, erklärte der Bursche kleinlaut, in ausweichendem Sinne, er habe es gefunden. Auf die Frage, warum er es dann nicht pflichtgemäß auf der Polizei abgeliefert, mußte er natürlich die Antwort schuldig bleiben.

Die Folge war eine Anklage wegen — Fundunterschlagung. Sie endete — Staatsanwalt Benedix vertrat die Anklage — mit der Verurteilung des Angeklagten zu einem 3ahr e Gefängnis. Glücklicherweise gelang es dem Vater des Burschen, durch Nachweis des Besitzrechts seines Sohnes an dem Messer, denselben vor der völligen Verbüßung dieser unerhörten Strafe zu bewahren.

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Noch in den Zähren *895 und	erfolgten	häufige

Anklagen und Verurteilungen in „Anarchistensachen". Ls
        
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