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Anarchisten-Prozesse

Full text: Aus den Tiefen der Berliner Arbeiterbewegung / Weidner, Albert

8<* Großstadt-Dokumente Bd. 9. Berliner Arbeiterbewegung.

Die Art und Beurteilung dieser Delikte zeigen am d<>uV lichsten einige Beispiele. 3nt September (893 befanden sich auf der Anklagebank drei Männer, beschuldigt der Geheim-bündelei. Monatelang waren zwei derselben aus dem Grunde in Untersuchungshaft, weil sie den dritten gekannt, anarchistische Schriften besessen, und der eine überdies zwei Adressen bei sich geführt hatte, über welche er glaubhafte Auskunft nicht hatte geben wollen, während der andere in einem Brief an den Ljauxtangeklagten erwähnt worden war und irrt Besitz eines Briefes sich befunden hatte, in dem zweimal die Abkürzung K. A. vorkam und außerdem die Worte: „Ich verbitte mir solche Injurien, wie Kutschergruppe, so wat jiebts hier nicht zu lecken". Die Anklage folgerte hieraus, daß der Angeklagte mit dem Rlub Autonomie in London zu tun, und „daß er zur Bildung einer anarchistischen Rutschergruppe aufgefordert habe". In Wirklichkeit war mit R. A. „Komm 11 -niftifche Anarchisten" gemeint, der Adressat war gar kein Rutscher, sondern Mechaniker, und mit Rutscher war eine bekannte Mischung von Rümmel mit Num gemeint. Allerdings wurden diese Angeklagten, aber doch erst nach langer Untersuchungshaft, freigesprochen. — Ein anderer, besonderes Auf-sehen erregender Fall waren die Anklagen gegen den jungen praktischen Arzt Dr. G.*) aus Oesterreich im Februar und Mai (89^. Derselbe wurde in einer Volksversammlung verhaftet, weil er in seiner Nede die geschmacklose Aeußerung gemacht hatte, „der Staat sei eine organisierte Räuberbande". In diesen Worten wurde eiue Verächtlichmachung von Staats-einrichtungen gefunden, und eine Strafe von neun Monaten Gefängnis ausgesprochen. Charakteristisch scheint mir aber besonders, daß derselbe Mann dann noch wegen Aeußerungen,

*) (Es handelt sich hier um den weiter vorne schon erwähnten Fall des Dr. Gumxlowicz.
        
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