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Anarchisten-Prozesse

Full text: Aus den Tiefen der Berliner Arbeiterbewegung / Weidner, Albert

Anarchisten°j)rozesse.	83

fast abjolute Unwissenheit herrscht über das, was bt>' Anar-chistenlehre predigt und bezweckt, um übersehen zu können, welches Vorurteil von vornherein wachgerufen wird, wenn auf der Anklagebank eine Person vorgeführt wird, die durch die Bezeichnung Anarchist in den Augen der Richter jeder Tat fähig erscheint, welche gegen Gesetz und Gesellschaftsordnung verstößt. Sind doch nach Meinung unendlich vieler die Anarchisten Leute, die mit Bomben in der Tasche umherlaufen, um bei erster bester Gelegenheit eine Schreckenstat zu begehen. Bezeichnet nun gar der Vertreter der politischen Partei auf Grund seiner, von unbekannten und ungenannten Sinter-männern ihm gewordenen Information den Angeklagten als Anhänger der Propaganda der Tat, so überläuft sämtliche Beteiligte ein Gruseln, das wahrlich nicht dazu beiträgt, eine objektive Urteilsfindung zu erleichtern."

Dieses „Gruseln", das sich besonders bemerkbar machte nach den Attentaten von Ravachol, vaillant, Henry und Laserio in Frankreich, hat in Berlin manchem anarchistischen preßsünder zu erheblicher Gefängnisstrafe verhelfen.

Dr. Biber führt dagegen aus:

„Die große Zahl der sogenannten Anarchisten, welche unter dieser Bezeichnung die Anklagebank betreten und meistens als Verurteilte verlassen haben, bestritten auf das Entschiedenste, und in durchaus glaubwürdiger Weise, Anhänger der Propaganda der Tat im Sinne der Anklagebehörde zu sein. 3n der langen Reihe von Anarchistenprozesfen, die sich in Berlin seit dem Jahre J892 vor dem Prozeß Roschemann abgespielt hatten, ist niemals ein Delikt auch nur zur Sprache gekommen, das als ein spezifisch anarchistisches, d. h. auf gewalttätiges wahlloses Zerstören von (Eigentum und Ceben gerichtetes, bezeichnet werden kann. Es handelt sich fast immer um preßvergehen oder um aufreizende Reden.
        
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