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Preface

Full text: Aus den Tiefen der Berliner Arbeiterbewegung / Weidner, Albert

Vorwort.

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legen: als gäbe es in unserem nüchternen Zeitalter keinen Idealismus mehr. Allerdings kann man das nur dann erkennen, wenn man zu unterscheiden weiß zwischen einer Tendenz, die schlechthin gesellschaftsfeindlich ist und sich vor allem bei jenen kleinen Interessengruppen vorfindet, die mit mächtiger f}and in die Politik der Völker greifen, — und jener, die dieser Gesellschaft sich feindlich entgegenstellt. Möge hier der unvergessene Moritz von Lgidy das Wort haben, die Situation völlig zu klären:

„Die Vertreter neuer Ideen, die Vorkämpfer neuer Anschauungen verurteilen darf nur der, der den Nachweis führt, daß unsere heutigen Zustände und daß die noch herrschende Anschauung, welche diese Zustände aufrecht erhält — kurz alles, was ist und wie es ist — richtig und gut, vernünftig und natürlich ist. Ohne weiteres diejenigen, die einen Mandel unserer Zustände, ja selbst einen Wandel unseres ganzen Anschauungssystems anstreben, als Feinde der menschlichen Gesellschaft zu bezeichnen, ist anmaßender, auf die zeitige Gewalt pochender Uebermut kleiner Seelen. Es muß doch erst der Nachweis geliefert werden, daß die heutigen Zustände das Volk als Ganzes, daß sie jeden einzelnen und alle in gleichem Zllajze und in gleichem Verhältnis beglücken oder auch nur befriedigen; es muß der Nachweis geliefert werden, daß die Menschen, die für Aufrechterhaltung des heutigen Anschauungssystems eintreten, wirklich Freunde — oder nicht vielleicht die schlimmsten Feinde — der Menschen insgesamt sind; es muß bewiesen werden, daß die Vertreter der heutigen Zustände wirklich das Volk, wirklich jeden im Volke — und nicht nur sich, ihre eigensten und persönlichen Interessen, allenfalls die Interessen bestimmter Gruppen, Teile, Schichten des Volkes — lieben; es muß noch nachgewiesen werden, daß die Vertreter der herrschenden Anschauungen wirklich Freunde des Guten und wahren, des
        
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