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Die anarchistische Presse

Full text: Aus den Tiefen der Berliner Arbeiterbewegung / Weidner, Albert

68 Großstadt-Dokumente Bd. 9. Berliner Arbeiterbewegung.

zur Redaktion befähigter Genosse mehr übrig geblieben war. Trotzdem tat jeder sein Bestes, bis die Schritte der Behörde gegen das Blatt einen direkt gesetzwidrigen Charakter annahmen.

Am JO. Dezember ^8% gegen 6 Uhr abends erschien der Kriminalkommissär Bösei mit noch zwöls seiner Beamten aus der Redaktion und konfiszierte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Sämtliche Korrespondenzen der Redaktion und Expedition wurden mit Beschlag belegt, desgleichen die Konto- und Kassenbücher des „Sozialist" und der Broschürenliteratur sowie auch die Abonnementslisten. Die Schriftsetzer mußten von ihren Setzkästen zurücktreten und es wurde ihnen das für die folgende Nummer in Arbeit befindliche Manuskript weggenommen. 3a sogar die Geschäftsbücher der Druckerei wurden trotz lebhaften Protestes gleichfalls mit Beschlag belegt. Der Redakteur und Verleger wurde sofort verhaftet. Sehte privatwohnung wurde ebenfalls behaussucht. Desgleichen wurde auch der Expedient per Droschke nach seiner Wohnung befördert, um hier ebenfalls eine umfangreiche Haussuchung über sich ergehen zu lassen. Dieses unerhörte vorgehen geschah — wie der Kommissar Bösel angab — aus Veranlassung des Staatsanwalts Dr. Benedix.

Dieser Staatsanwalt verkündete wenige Tage später in einem gegen mich gerichteten Prozeß: „Der „Sozialist" sei das einzige Parteiorgan der Anarchisten in Deutschland, welches übrigens auf dem Aussterbeetat stehe. Nächsten Donnerstag oder Sonnabend dürfte die letzte Nummer dieses Mrgans erscheinen, denn es sei gelungen, es unschädlich zu machen." Und er versicherte mir persönlich in liebenswürdigstem Tone: wir haben den „Sozialist" jetzt doch gezwungen. 
    
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