Path:
Eine mißglückte Spitzelwerbung

Full text: Aus den Tiefen der Berliner Arbeiterbewegung / Weidner, Albert

62 Großstadt-Dokumente Bd. 9. Berliner Arbeiterbewegung.

Herausgeber (Landauer, Sxohr und meine Person) dem Herrn Polizeikommissar durchaus nicht paßten.

Zunächst sollte Machner die paar Tage, die er vor seiner Abreise nach London noch in Berlin zuzubringen gedachte, dazu benutzen, die Redaktion des „Sozialift" zu bespitzeln und sich einigen Berliner Anarchisten zu nähern. Zur Sicherung des Vertrauens dieser zu bespitzelnden Genossen wurde zwischen dem Rommissar und seinem Zuträger ausgemacht, daß le tz -terer einer außergewöhnlich auffälligen Gbservation unterstellt werde. Beamte der politischen Polizei sollten ihn auf Schritt und Tritt begleiten, so daß jeder Genosse es sehe und durch die Schärfe dieser polizeilichen Für-sorge die Vertrauenswürdigkeit des vermeintlich Gehetzten gesteigert erscheine.

So war alles bestens eingefädelt.

* *

*

Aber die Sache hatte einen Haken. Rlachner hatte nie ernstlich daran gedacht, polizeisxion zu werden. Unmittelbar nach dieser Unterredung mit dem Rommissar begab er sich zu den Herausgebern des „Sozialist" und enthüllte ihnen die ganze Angelegenheit. Ls wurde erwogen, daß es von großem Wert sei, wenn es gelänge, die Zusammenkunft des Polizeikommissars mit dem vermeintlichen Spitzel von Zeugen stören zu lassen, denen die Person des Beamten so genau bekannt wäre, daß für den Lall der Veröffentlichung der ganzen Affäre jeder Irrtum ausgeschlossen sei.

Demgemäß lud Machner den Rommissar zu einer Zusammenkunft in der damals bestehenden Berliner Gewerbe-ausstellung in Treptow ein. Dazu wurde von Machner und den Sozialistherausgebern gemeinsam unter größter Heiterkeit
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.