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Die unsichtbaren Fäden der Polizei

Full text: Aus den Tiefen der Berliner Arbeiterbewegung / Weidner, Albert

56 Großstadt-Dokumente Bd. 9. Berliner Arbeiterbewegung. 
in mein Arbeitszimmer geführt, entspann sich eine Unterredung, 
die ich hier nach den Aufzeichnungen wiedergebe, die ich mir 
sogleich gemacht: 
Sie: „Verzeihen Sie, daß ich meinen Namen vorläufig 
nicht nenne. 3ch komme vom Berliner Polizeipräsidium und 
habe 3hnen einen Vorschlag zu machen. Eigentlich hat ja 
mein Mann den Auftrag bekommen. Sie kennen auch meinen 
Mattn. (Er hatte aber Bedenken und riskierte es nicht, zu Ihnen 
zu kommen. Da habe ich denn gesagt: Nun, dann werde ich 
erst mal zu £)ernt Weidner gehen." 
Mir kam auf einen Moment die Idee, die Unbekannte 
zu packen und sie polizeilich feststellen zu lassen. Allein ich 
beschloß, zunächst zu hören, um was es sich handele, um 
so mehr, da es mir nicht unmöglich schien, einen öffentlich ver¬ 
antwortlichen Beamten als ihren Hintermann zu erkunden. 
3ch zeigte keine Spur von der Verblüffung, in die mich 
dieser unverblümte Wandel versetzte, und ließ sie fortfahren: 
„Das Berliner Polizeipräsidium bietet Ihnen nämlich 
eine Stellung an als politischer Berichterstatter 
in London. Als Gehalt würden Sie für den Anfang 
200 Mark im Monat erhalten: Dafür sollen Sie dann nur 
ab und zu einen Bericht liefern." 
3 ch * „Wissen Sie, 200 Mark sind aber dafür doch 
eigentlich ein Lumpengeld..." 
Sie: „Für den Anfang! — Uebrigens, wenn Sie sich 
dazu entschließen, werden Sie ja auch noch mit dem Herrn 
selbst darüber reden können." 
3 ch: „Was Sie mir da sagen, ist sehr merkwürdig. Sie 
werden es begreifen, wenn ich auf so etwas einer fremden 
Dame gegenüber nicht mit 3a oder Nein antworten kann. 3ch 
will es überlegen. Nach 3hrem Namen will ich nicht fragen. 
Kommen Sie nach einigen Tagen noch einmal her. Sie tun
        
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