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Die unsichtbaren Fäden der Polizei

Full text: Aus den Tiefen der Berliner Arbeiterbewegung / Weidner, Albert

Die unsichtbaren Fäden der Polizei.	55

Vorausschicken will ich, daß ich seit Anfang der neunziger Jahre Mitarbeiter an frei-sozialistischen Blättern, und von Mitte bis Ende desselben Jahrzehnts zusammen oder abwechselnd mit G u st a v Landauer und Wilhelm 5 p o h r Redakteur des „Sozialist" war. )n dieser exponierten Stellung hatten meine Freunde und ich Gelegenheit, die Praktiken der politischen Polizei besonders genau kennen zu lernen und uns in einigen hundert Linzelfällen darüber zu amüsieren, auf wie zwecklose weise das Geld der preußischen Steuerzahler durch; polizeiliche „Gbseroationen" vergeudet wird. )m Jahre ^899 ging der „Sozialist" ein. \ty02 begann ich mit der Herausgabe eines freiheitlich literarischen Wochenblattes „Der arme Teufel". Ls schien, als nähme die p. p. kein Interesse an meiner Tätigkeit, — es schien so. Es war mir indessen nicht schwer, zu erfahren, daß ein Beamter vorn Alexanderxlatz, der Rriminalschutzmann B., sogleich nach Lr-scheinen der ersten Nummer meines Blattes in diesbezügliche Verbindung mit personen der Friedrichshagener Ortsbehörde getreten war. Doch bemerkte ich während der folgenden Zeit nichts von einer Gbservation. Line ganze Anzahl Schriftsteller gehörte zu meinem Umgang in Friedrichshagen. Da erschien eines Tages (am 28. Februar	während	ich	auf

kurze Zeit von Hause abwesend war, eine fremde Dame in meiner Wohnung und wünschte mich zu sprechen. Auf die Frage, ob etwas an mich zu bestellen sei, antwortete sie: „Nein — ich habe dienstlich mit Ejemt W. zu sprechen!" und erklärte, wiederkommen zu wollen. Als ich kaum meine Wohnung wieder betreten, folgte sie mir auf dem Fuße. 3ch stellte mich ihr vor, sie, ohne ihren Namen zu nennen, bat um eine Unterredung unter vier Augen. Ls war eine Dame im Alter von zirka ^0 fahren, schlank, über Mittelgröße, dunkelhaarig, in einen weiten dunklen Mantel gehüllt. Nachdem ich sie
        
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