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Attentatsmysterien

Full text: Aus den Tiefen der Berliner Arbeiterbewegung / Weidner, Albert

Attentatsmysterien.

ernsthafteren Berliner Anarchisten wurde dieser Klub wie das £ofal, in dem er tagte, gemieden und teilweise ganz offen als „Sxitzelfalle" bezeichnet, d. h. als eine Fallgrube für solche harmlose Naturen, die sich durch terroristische Reden Anderer leicht zu unüberlegten Aeußerungen hinreißen lassen.

Koschemann, ein jugendlicher Feuerkopf, bildete mit einigen anderen Freunden eine Art geschlossene Gruppe innerhalb dieses Klubs. Zwar lag — wie später die lange, eingehende Gerichtsverhandlung gegen ihn erwies — nichts in diesem Klub Geschehenes vor, das geeignet war, den Verdacht der Täterschaft auf Koschemann zu lenken. Allein die Polizei kalkulierte: wir finden nach keiner anderen Richtung hin An-haltsxunkte für die Täterschaft; versuchen wir es also in politischer; wenn aber ein Anarchist der Täter ist, dann muß er in diesem Klub gesucht werden, denn nirgends redet man radikaler. Da aber die Vigilanten nichts davon wissen, muß es d a n n aus der engen, in sich geschlossenen Gruppe um Koschemann gekommen sein. Und auf Grund solcher Gedankengänge, die vor Gericht offenbart wurden, nahm man Kosche-mann und seine engeren Freunde gefangen und eröffnete die Untersuchung gegen sie, um schließlich die Anklage zu erheben, / die im April \89? in zehntägiger Verhandlung von der Staatsanwaltschaft zu begründen versucht wurde.

Nie ist ein Indizienbeweis geführt worden, gefährlicher als dieser. <£s würde hier zu weit führen, ihn zu zergliedern. Genug, am Ende der Verhandlungen war man in der presse wie in der Bevölkerung nicht nur der Schuld Koschemanns nicht sicher, sondern im Gegenteil: von seiner Unschuld überzeugt. Koschemann hat sich während der ganzen Zeit aufrecht und freimütig verteidigt, mit Sicherheit und Festigkeit. Trotzdem fällten die Geschworenen ein „Schuldig!" Und zwar ein sehr eigentümliches „Schuldig!"
        
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