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Revolutionsromantik

Full text: Aus den Tiefen der Berliner Arbeiterbewegung / Weidner, Albert

Revolutionsromantik.

zielten, begegnete allgemeiner Skepsis, der sich teilweise sogar direktes Mißtrauen zugesellte.

Ein proletarischer wirrkoxf, der sich hoch und teuer verschwor, dem damals noch lebenden Neichsanwalt Tesiendorf seine Rigorosität in den Hochverratsprozessen gegen Sozial« demokraten und Anarchisten einzutränken und an ihm ein abschreckendes Beispiel zu demonstrieren, ward entweder ausgelacht oder gemieden. Mit Büchners „Kraft und Stoff" in der einen, und einem Revolver in der andern Tasche erzählte er davon jedem, der es hören wollte, und behauptete verdrossen, seinen plan nur deshalb nicht ausführen zu können, weil ihm kein Mensch den Taler zum Fahrgeld nach Leipzig pumpe, dem Wohnsitz des verhaßten.

Um diese Zeit trat der junge österreichische Mediziner Dr. Ladislans Gumxlowicz in der Berliner anarchistischen Bewegung hervor. Mit einer Konsequenz, wie man sie besonders häufig an russischen sozialistischen Intellektuellen beobachten kann, welchen sie unter ihren Volksgenossen Aufmerksamkeit und Achtung verschafft, gab sich G. den Berliner Arbeitern gegenüber als völlig ihresgleichen.

§ 4. (Er verachtet die öffentliche Meinung. (Er verachtet und haßt die gegenwärtige gesellschaftliche Moral in allen ihren Antrieben und allen ihren Kundgebungen. Für ihn' ist alles sittlich, was den Triumph der Revolution begünstigt, alles unsittlich und verbrecherisch, was ihn hemmt.

§ 5. Der Revolutionär ist ein geweihter Mensch (der sich nicht mehr selbst angehört), er hat keine Schonung für den Staat überhaupt und für die ganze zivilisierte Klasse der Gesellschaft und er darf ebensowenig Schonung für sich erwarten. Zwischen ihm und der Gesellschaft herrscht Krieg auf Tod und Leben, offener oder geheimer Kampf, aber stets ununterbrochen und unversöhnlich. (Er muß sich daran gewöhnen, jede Marter zu ertragen.
        
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