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In der Dynamitkiste

Full text: Aus den Tiefen der Berliner Arbeiterbewegung / Weidner, Albert

In der Dynamitktste.	\	*

Gastwirt eingemietet und trugen gern die Rosten der Verpflegung durch freiwillige Geldbeiträge.

ZTlit der Sammlung solcher freiwilligen Beiträge begann gewöhnlich der gemeinsame Abend. Es bedurfte ihrer ziemlich viel. Denn außer dem erwähnten inhaftierten Genossen war auch noch ein anderer derselben Gruppe inhaftiert, und andere ähnliche Gruppen in anderen Stadtteilen hatten ebenfalls An-gehörige ihres Kreises ins Gefängnis verschwinden sehen. Wohl ein Dutzend war auf einen Schlag verhaftet worden. Man machte ihnen die öffentliche Verbreitung der „Autonomie", einer in London erschienenen revolutionäreil Wochenschrift, zum vorwurf, besonders einer Nummer, die im Einblick auf eine Ansprache des deutschen Kaisers an Potsdamer Garderekruten hochverräterische Drohungen enthielt. Etwa die Hälfte wurde freigesprochen, die übrigen erhielten Zuchthausstrafen von ^—6 Jahren. Nur einer verließ nach 5 fahren körperlich ungebrochen das Zuchthaus, die anderen kamen als menschliche Ruinen heraus, einer starb hinter den Gittern des Kerkers.

So lange die Inhaftierten irrt Moabiter Untersuchungsgefängnis interniert waren, konnte ihnen durch Freundeshilfe eine Erleichterung der Gefängniskost gewährt werden. So gab denn jeder hin, soviel er konnte, um den Gefangenen durch Einzahlung einer kleinen Summe ein wenig Schmalz und Speck verschaffen zu können. —

Eine wichtige Angelegenheit bei diesen Zusammenkünften bildete der Austausch von Büchern. Die Titel der am meisten gelesenen allein gewähren ein anschauliches Bild der Ddeen-richtung in diesen Kreisen. Büchners „Kraft und Stoff", Stirners „Der Einzige und sein Eigentum", ZTiackctys Kulturgemälde „Die Anarchisten" und desselben Dichters Gedichtsammlung „Sturm" fehlten selten auf dem Tisch. Daneben waren die kommunistisch - anarchistischen Broschüren Peter
        
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