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Das Laufmädel

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

Das Laufmädel.

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Die Kurven sind himmelhoch und so steil, daß einem das Herz in die Unaussprechlichen fällt, im Gedanken, daß hier Radier Hinaufstrampeln können, ohne sich Genick und Beine zu brechen. 3m Innenraum breitet sich grüner Nasen, und wenn die Nadler nicht in die Pedale treten, hasten sich hier unten die Cäufer ab, deren es in Berlin eine große sportgewandte Gilde vorn Fach der Leichtathleten gibt.

Große Ereignisse werfen immer ihre Schatten voraus, wer den Nennbahneingang passierte, hörte zur Rechten ein betäuben-des Geschnatter aus einer Bretterbude herauskommen. ZTiit Verlaub, meine Damen, aber ich glaubte, es wäre hier Gänse» markt.

Erst ein ganz diskreter Blick durch die Türspalte belehrte mich, daß hier die Käuferinnen in zappelnder Nage den letzten Schliff sich antaten.

Die einen bastelten am Schuhband, die anderen am Zopf, die dritten liefen im Dreivierteltakt umher zum letzten Training.

Die Nadler waren von der Bahn verschwunden, um die sich rings ein paar Tausend sportfroher ZTtenschen stauten. Der Negen goß in Strömen nieder, aber es half nichts. Die weibliche Cäuferkolonne mußte endlich in die Bahn marschieren.

Immer zwei und zwei, auf den Nücken die Startnummer genäht, unter vorantritt des sperrn Managers, kamen sie her-einstolziert, an die siebzig kleine und große Fräuleins.

Und die Locken flogen im Winde, und die dünnen Nöck-chen und Puderhöschen flatterten in der Maikühle, als die Sophies, die ZTiizzis, die Truden, Annas, Minnas, vorn Jubel-geheul ihrer „Freunde" begrüßt, zum Start marschierten.

wie lauter bunte Fähnchen standen sie aufgepflanzt. Im Durchschnitt blutjunge, kaum flügge gewordene Dinger, arme Arbeitsgeschöpfchen, von der Sorte, die der Berliner „kleine Kröten" nennt. — Ein paar ganz hübsche, eiu bißchen blasse Gesichter, auf deren einem sich eine zierliche Lorgnette 'zeigte.
        
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