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Herrenfahrer

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

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Großstadt-Dokumente Bd. to. Berliner Sport.

sport so stark in den Vordergrund tritt und so gute Früchte getragen hat. Der ganze heutige Amateurismus im Radrenn-sport kann ja überhaupt nicht viel Staat machen. Nur ganz verschwindend klein ist die Zahl der Herrenfahrer, die sich einen point über Mittelmäßigkeit erheben. Und dann steht fast hinter jedem £}etrenfahrer der Klub, dem der rennlustige Amateur angehört. Der mag, wie es die Rudervereine zu tun pflegen, die Kosten übernehmen, die entstehen, wenn eines seiner Mitglieder sich Lorbeeren und allerhand Meisterschaststitel auf auswärtigen Bahnen holen will.

Der Verband deutscher Radrennbahnen hat in richtiger Erkenntnis der Sachlage den Amateuren verboten, um Geld zu starten und damit den Berufsfahrern die Butter vorn Brot zu nehmen. Daher auch die häufigen Disqualifikationen von fjerrenfahrern, die gegen klingenden Cohn sich verdingten. Denn für die kleinen Rennbahnen, die nicht für Sterne ersten Ranges Tausende auswerfen können, ist der Herrenfahrer eine gesuchte und billige Ware, die von Berlin oder anderswoher verschrieben wird. Und auf die Frage: (Ehrenpreis oder Geld? wird er in hundert von neunundneunzig Fällen nach der Börse greifen.

peinliches Aufsehen hat seiner Zeit die Maßregelung des in Berlin zum Amateurweltmeister gekrönten ZTiaitrot hervorgerufen. Der Franzose bereiste Deutschland die Kreuz und (Quer, war heute in Königsberg, morgen in Köln. Und, daß er sich so ein paar Medaillen halber strapaziert haben sollte. . . . „Honny soit, qui mal y pense?“

Ein Bahnbesitzer hat in einer Generalversammlung des Verbandes deutscher Radrennbahnen freimütig bekannt: „99 Prozent aller Amateure sind eigentlich verkappte Berufsfahrer." Der Mann muß das ja am besten wissen, und sein Wort wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf die derangierten Verhältnisse im Amateurradrennsport, zu dem sich ehemals, als das £}ochrad noch in Aufnahme war, die gute Gesellschaft drängte. Die
        
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