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Herrenfahrer

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

Herrenfahrer. 
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Dem Rennfahrer von Beruf winkt auch nicht immer eine 
goldene Zukunft, wenn die Beine nicht mehr recht in die 
Pedale treten wollen, dann muß der Rennfahrer das 
Leben auf dem Zement kassieren, und sich in eine andere Pro¬ 
fession hinüberretten. Oder er geht, wie das Mode geworden 
ist, unter die Chauffeure. Das beste Beispiel geben Fahrer 
wie die beiden Champions Zimmermann und Cehr und 
Fournier, verheyen usw., die das Bicycle mit dem Automobil 
vertauscht haben, oder ZTlündner, einst Berlins volkstümlichster 
Rennfahrer, genannt der schöne Paul. Lr fährt nach seiner 
freiwilligen Pensionierung — er wollte sich nicht deklassieren 
lassen — nur noch looping the loop, die Todesschleife. 
Anders die Amateure. 
Der Sport soll für sie Passion sein und neben dem Werk- 
tagsberuf hergehen. Es soll einzig allein die <Lhre gelten. Um 
silberne Pokale und goldene peitschen, um mächtige Humpen, 
silberne Schilde und funkelnde Medaillen. Bei den Gentlemen¬ 
reitern ist die Grenze, die sie von den Professionals trennt, schon 
äußerlich scharf markiert. 3n Deutschland wenigstens dürfen 
in einem und demselben Rennen Herrenreiter und Jockey nicht 
Gurt an Gurt kämpfen. Daß man jedoch (Offizieren und Herren¬ 
reitern im Dreß, die nicht gerade glückliche Rennstallbesitzer sind, 
zumuten sollte, anderer Leute Pferde zum puren Vergnügen 
zu reiten und weite Reisen, etwa von der Garnison zum Renn¬ 
platz zu unternehmen, nur um einmal auf dem Steepler 3c. ihr 
Leben über Hürden und Gräben in die Scfymze zu schlagen, ist 
nicht gut zu verlangen. Nur um der schönen Augen willen? 
Nie und nimmer. 
Diese letzten Fragen können für den Amateurradfahrer 
nicht in Betracht kommen. Der Herrenfahrer hat fein Rad und 
kann damit anfangen, was er will. <£r hat nicht nötig, sich auf 
fremde Räder zu setzen, wie jene auf fremde Rosse. 
3m Amateurradrennsport, wie er jetzt besteht, fällt zum 
Teil auch das erziehliche Moment fort, das beim (Dffizierrenn-
        
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