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Hinter den Motoren

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

Hinter den Motoren. 67 
stadt. Hinter der Leinwand geht es geheimnisvoll her. Da 
wird gehämmert und geklopft. Die zweiten Maschinen werden 
in Stand gesetzt. 3n der Ecke steht ein wackeliger Divan. 
(£r nimmt den armen Dauerfahrer auf, wenn er sterbensmatt 
für eine Meile ausruhen muß. Hier wird auch massiert und 
bandagiert. Ein Kocher sorgt für den Magen, und derlei 
fleischige Zufuhr wird mitten im Fahren gereicht. 
Was so ein Dauerfahrer im Nennen fühlt? Lr ist eine 
Maschine, nur vorwärts und immer vorwärts. Daß die Bahn 
rund herum führt, kommt ihm gar nicht zum Bewußtsein. Line 
gerade Linie, unendlich lang, das ist der Weg, der vor ihm 
liegt, die Marschroute, die zurückzulegen ist. 
Hin und wieder hebt er den Kopf und schreit seine Schritt¬ 
macher an, daß sie nicht zu schnell Hinschießen sollen. <£r fürchtet 
den Krarnpf in den Beinen. Gder er fühlt sich wie ein junger 
Gott so frisch und ruft ihnen zu: „Mehr Dampf!" 
Am Rande der Geraden steht der Trainer oder ein guter 
Freund mit der Stopuhr in der Hand und brüllt ihm zu, wieviel 
Sekunden er für die Runde, das sind in Friedenau 500 Meter, 
gebraucht hat. CD weh! <£s waren nur 25er Runden. 25 
Sekunden für 500 Meter. Schneller, viel schneller, muß er 
fahren. Sonst holt er nicht mehr auf. Der vor ihm fährt 
23er Runden. Und die tolle 3agd geht fort. 
Der Beruf der Steher ist nach der materiellen Seite hin 
gewiß sehr einträglich, sie find überall gesuchte Herren. Aber 
gegenüber den Gewinnen auf der Rennbahn steht wieder die 
kostspielige Aufwendung für den Schrittmacherapparat. So ein 
Transport von Paris nach Berlin verschlingt ein kleines ver¬ 
mögen. Und nur wenige unter diesen Schnelligkeitsgrößen haben 
es übrig. Das ist im Zusammenhang mit der physischen Un¬ 
möglichkeit der Grund, warum die Steher nur ein bescheidenes 
Häuflein bilden. 
Aber nicht zuletzt die Gefahren, die dieser Art sportlicher
        
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