Path:
Zwischen den Turskulissen

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

54	Großstadt-Dokumente	Bd.	*o. Berliner Sport._____________

Ein Trabrennen wird gewöhnlich nach dem Rekord gefahren. Die Zeit, die der Traber zu seinen Rennen nötig hat, wird gebucht nach Minuten und Sekunden. Lin Traber, der nach dieser Tabelle die Beine schneller werfen kann, als seine Rollegenschaft, erhält am nächsten Renntag eine Zulage. Lr steht am Start hinter den Pferden, die bis dato nicht so schnell traben konnten als jener, und hat Terrain einzuholen. 25 Meter

bis ^00 Meter usw.

Nein Wunder, daß dieser Zeitrekord Betrügereien offen läßt. Denn jeder Fahrer hat danach zu streben, aus seinem Traber nicht die beste Zeit herauszunehmen, auf daß er später nicht mit unmöglichen Terrainzulagen bedacht wird. Folgt, daß die gewiegten Künstler auf dem Sulky nicht immer ausfahren und sich ihre Rennen aussuchen, in denen der Sieg ihnen anheimfällt, ohne den Rekord zu überschreiten. Die wissenden sagen dann: „halloh, — heute steht ,Ring Charles' zum Siege." Und sonderbar wie schnell sich ein Geheimnis auf der Traber-bahn herumspricht. Zwanzigmal ist Ring Charles stets „verhalten" worden und war nirgends. Der einundzwanzigste Start aber sieht ihn als wettfavoriten und als Gewinner.

Auf dem Richterturm ging es früher patriarchalisch zu. ^eute schärfer. Aber ein Auge schließen die Traberstewards

manches Mal immer.

Der Traber soll reinlaufen, nicht manschen und nicht im Galopp gehen und so Boden gewinnen. Sonderbar, daß die Herren auf dem Turm nicht sehen wollen, daß so ein Traber in unreine Gangart fällt und zu disqualifizieren ist. Die Fama sagt, oben auf dem Turm ist gewettet worden, vielleicht gerade der galoppierende Traber. Da werden sich die Zerren schönstens bedanken, die Nummer des Gewetteten als disqualifiziert herauszuhängen.

So kommt die Traberbahn in Schieberruf. Nicht abzusehen, wann sie ein reines Gewand anlegt.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.