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Zwischen den Turskulissen

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

Zwischen den Turfkuliffen.

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Lr weiß in hundert Fällen fünfzigmal, daß sein Pferd nicht einen geller gewinnen kann, weil es zu schlecht ist, oder zuviel Gewicht auf dem Buckel trägt. Aber er weiß, der und jener muß das Zeug zum Siege haben. Und er wäre ein Narr, wenn er sein Pfund Gold nicht anlegte. Nicht selbst, dazu hat er freundliche Rtittelleute. Die Richter sehen ihm aus die Finger. Ein Denunziant schleicht sich heran und ein hochnotpeinliches Gericht über den Sünderjockey wird eröffnet. Das erste ZTial eine Verwarnung. Die zweite Affäre kostet Lizenz-entziehung, auf bestimmte Zeit, und zu dritt kommt die Verweisung von allen Rennbahnen. Der 3ocfey ist geliefert, und Jahre können ins Land gehen, ehe ihn ein Fußfall vor den Stewards seinem Beruf wiedergibt. Verwarnung und mäßige Strafen in Geld ziehen nur die leichten Fälle nach sich.

Rücksichtsloses Reiten und Behindern im Rennen oder Ungehorsam gegen den Starter. Eine offenbare Schiebung wird kurzerhand mit lebenslänglicher Lizenzentziehung gestraft, und Ausweis von allen Rennbahnen, die dem Unionflub und seinem Kartell im Reiche und im Ausland unterstehen, wird über jene Untermänner verhängt, die ihre Hand in das Spiel des Jockeys gesteckt haben.

Hunderte von Verführern lauern den Reitern auf. Schleppen sie in die Sekthöhlen, drücken in die Rechte blankes Gold, und am Renntag hält der Hockey, der hätte gewinnen können, sein pferd irrt Hintergrund und läßt einem anderen den vortritt. Der Buchmacher hat den Favorit zu Fall gebracht, und steckt die Mette ein.

Berlin zählt Hockeys, die jeden Renner, der ihren Händen anvertraut ist, „auf Gewinn" reiten. Sie wollen immer siegen und stecken sich nicht unter die Decke anderer. In ihrer Art sind sie eine Klasse für sich und erreiten sich ehrlich in jeder Kampagne ihre 20 000 Mark und mehr. Der Rest kennt kein Gewissen und ist für jeden lüsternen Herrn und Trainer zu haben, der ihnen winkt.
        
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