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Das Wetteinmaleins

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

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Großstadt-Dokumente Bd. jo. Berliner Sport

Rennplatz sehen, so tritt er niemals ab, ohne sich einen von der Gesellschaft herauszulangen und zur freundlichen Begleitung nach dem Alexanderxlatz einzuladen.

Und doch ist er eine gute Seele, er duldet das Buchmacherlager, weil er sieht, daß es nicht totzumachen ist, weil hoch und niedrig den Ring betritt, und es just geschehen kann, daß einer von der Gemeinschaft, den er abführen möchte, ihm ins Gesicht sagt: voila, mein verehrter fjerr Kommissar! warten Sie einen Augenblick. )ch muß doch erst dem Fürsten £}... und Excellenz General v. w. die wetten auszahlen. . . .

Der Mann ist gerettet.

Das betriebsame Gewerbe der Buchmacher auf den Berliner Rennplätzen entzieht dem regulären Totalisator in jedem ^)ahre zahllose Tausende. Aber es ist nicht der einzige Kanal, durch den dem Staate an Steuern ein vermögen entgleitet, um sich in den nimmersatten Taschen des Rings zu verlieren.

Hauxtabzugskanal ist das wetten außerhalb der Rennbahngrenzen.

Die wettleidenschaft steckt nun einmal im Menschenherzen, mag sie um eine Spielkarte oder einen pserdeleib sich drehen. Und im besonderen hat sie das berlinische Gemüt gepackt. Um so stärker, je kolossaler das Renntreiben Berlins angewachsen ist. Nur ein ganz bescheidener Bruchteil kann das wettfieber derart besänftigen, daß er zum Rennen hinausfährt und draußen die Tototickets ersteht oder mit dem Buchmacher in Verbindung tritt.

Es ist reichlich gerechnet, wenn ich sage, jener Bruchteil beziffert sich auf etwa sechstausend Menschen für jeden Renntag.

Aber die Millionenstadt beherbergt noch Hunderttausend^ die nur aus der Vogelperspektive der abendlichen Renn» telegramme den Ereignissen des grünen Rasens folgen können und an der Scholle kleben müssen, zumal, wenn die Leiden-
        
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