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Vollblut

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

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Nach einer halben Stunde liegt der Nasen hoppegartens 
zerstampft und einsam da. Der dicke Budiker seufzt: „Einen 
Blauen verloren, hoppegarten — nie wieder." — Und acht 
Tage später treffe ich ihn wieder am Bahnhof Lriedrichstraße, 
prustend zum Rennzuge. 
* * 
* 
Was man so Gesellschaft nennt, hält sich von Hoppegarten 
gemeinhin fern. Der weg durch den Sand der Mark ist ewig 
lang und der Verkehr so vorsintflutlich geregelt, daß die Union¬ 
bahn der großen Welt entfremdet ist. Die nahe Hindernisbahn 
in Karlshorst hat dem deutschen Newmarket längst den Rang 
abgelaufen. 
Nur einmal im IZahre zieht Hoppegarten Leiertagsgewand 
an. Am Tage der „Armee". Sogenannt nach dem historischen 
großen Armeejagdrennen, der einzigen Steeplechase, die mit 
mäßigen Gäulen auf dem Kurs von Hoppegarten noch ge¬ 
laufen wird. Allein (Offiziere der Armee haben das Recht, 
sich hier zu messen und um den Ehrenpreis des Kaisers in 
den Kampf zu treten. <£s ist der einzige Renntag, an dem 
der bewimpelte Hofpavillon nicht verlassen schläft. )m stolzen 
(Zuge, Spitzenreiter voran, betreten das Kaiserpaar und die 
kaiserlichen Prinzen samt Gefolge die Rennbahn und lassen sich 
im Pavillon nieder, von der Veranda aus, das Feld der Herren¬ 
reiter vorbeistampfen zu sehen. 
So ein bißchen kaiserliche Sonne tut Wunder. Auch in 
hoppegarten. Das zimperliche, aristokratische Berlin und die 
Geldsackgemeinde kommen ausgeputzt aus den Rasen, als glitten 
sie auf dem Parkett des Subskriptionsballes. Die Spitzen des 
Unionklubs schwarz wie Leichenbitter. Auf dem Kopf den 
sonst streng verpönten Zylinder. 
Der Kaiser liebt die Rennbahn nicht so wie die Segelei. 
Das Wasser geht ihm über das Pferd, und die Fama legt ihm
        
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