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Vollblut

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

jo	Großstadt-Dokumente	Bd. 10. Berliner Sport.

Dort der Hand des Wetters gleiten die Dukaten diskret in die Finger des bookie. Pferd, Nummer und Namen des Wetters, aus Vorsicht zumeist nur der Anfangsbuchstabe, werden notiert. Der Lall ist bis auf weiteres erledigt.

Die Masse des ersten und des Sattelplcches setzt sich aus einem Mischmasch zusammen, der wild durcheinandergerüttelt ist. Neunzehnte! und mehr Männer/ Eine Millionenstadt wirft ungeheuer viele Menschen ab, die Zeit und Kleingeld genug haben, einen halben Wochentag aus dem kostspieligen grünen Rasen zu verleben. Gevatter Schneider, Schlächter, Schuster, Bäcker und Budiker. Frau Meisterin und Geselle sind zu Hause geblieben und müssen schuften. Der Budiker ist am passioniertesten und wettet am stärksten. CDHne Brieftasche voll blauer Rappen läßt er sich nicht auf der Rennbahn sehen. Mit Seelenruhe wirft er sie dem Toto und den Buchmachern in den Rachen.

Zum Stamm gehören die Nichtstuer von Beruf. Steifleinene, gläserne Gesichter. <£s hält schwer, den Baron vorn Zuhälter zu unterscheiden. Die Frauensöldner spreizen sich nicht minder wie die Kavaliere vom blauen Blut. Im Zweifel läßt sich immer auf einen Zuhälter raten, Hochstapler oder De-fraudanten, die hoffen, das Turfglück wird den Griff in die fremde Kasse wieder gut machen.

Armer Träumer, das Retinen endet immer in Moabit.

Der breite Einschlag ist kaufmännische Welt in und ohne Stellung, Kellner und Friseurjünglinge, wohlgenährte Rentiers. Theatergötter, aber irrt Durchschnitt nur ganz winzige, viel akademisches Blut, vom grünsten Fuchs, der dank der Studentenkarte den halben preis zahlt, bis zum Herrn Assessor und Staatsanwalt, der ewig „Studien" macht, aber jedesmal die ganze Tasche voll verwetteter Tototickets heimbringt.

Dann die Outsider. Die Fremden, Ausländer, provinztalen und Berliner, denen bislang Hoppegarten ein böhmisches Dorf war. Sie sperren Mund und Augen auf und lassen sich von den
        
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