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Vollblut

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

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tropol und Amorsälen. Sie wippen in den Schultern und 
trällern den Mcmzanares, den die Kürassiere aus ihren Trom¬ 
peten ihnen vorgaukeln. 
Die käufliche Weiblichkeit gibt sich auf dem Rennplatz ganz 
so aufgedonnert nach der letzten Mode wie auf dem pflafter der 
Friedrichstraße. Ohne männlichen Schutz noch schreiender in der 
Farbe, fjat sie niemand, so suchen die Augen lockend und finden 
sicher, wenn das Nennen vorbei ist, einen Galan, der sich die 
Taschen über den Renntag gefüllt hat. Die geschminkten Schachteln 
unbestimmten Alters sind eingesessene Stammgäste mit fester 
Kundschaft. „Na, Dickerchen, haste nich'n Tip?" so fragen sie 
lauernd herum. Wetten, verlieren — gewinnen selten. Die 
ganz Geriebenen fangen es geschickter an, einen guten Tip zu 
ergattern. Sie werfen sich Hockeys an den fjals. Ein Zwinkern 
mit den Augen, ein kokettes Lächeln, und der ausgemergelte 
Bursche hängt im Netz und flüstert der Schönen eine ganz 
kleine Programmnummer ins Ghr. Den Dank holt er sich 
einen Tag später. 
Vor dem Pavillon der Musik, gegenüber dem Sekthäuschen, 
wandelt der Buchmacherring. Die Gilde tritt nicht unter fünfzig 
Mann an, und die Hände klappern lockend mit dem losen Gold 
in der Tasche. Mitten darin wie ein ruhender pol, steht der 
grüne Gensdarm. Er ist eine kreuzbrave Seele und hört und 
sieht nichts, denn er will nichts sehen. Wenn er Augen hätte, 
müßte er die ganze Znnft am Kragen nehmen und abführen. 
Rings um ihn wispert es geheimnisvoll. 
Der Wettmarft ist im Gange, wie ein feindliches Lager 
stehen sich Wetter und Buchmacher gegenüber. Die Kurse 
fallen und steigen. Das Feilschen beginnt. Der Favorit des 
Rennens ist nur noch pari zu haben. Zwei Minuten spater, 
wenn der Run zu stark ist, — 5: ^ „auf". Die anderen 
Pferde „stehen länger" und finden bei den Freunden von 
Außenseitern immer noch Abnehmer, die ein pfund Gold — 
das pfund ist die gangbarste Münze im Wettmarft — wagen.
        
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