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Vollblut

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

Vollblut. 
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vierzig Kilo ist ein Duwel. Der üppige „Professional" ist vom 
Uebel und kann sich sanglos zur Ruhe setzen. Schwitzen — 
schwitzen und zum dritten 2T$ale schwitzen, das ist im Grunde 
des Hockeys Tagewerk. Dick vermummt läuft er sich die packen 
von Ljopxegarten nach Berlin ab, nur um das Fett sich ab¬ 
zuschöpfen. fjilft das nicht, schwitzt er im römischen Bad. Denn 
die Wage ist sein Lebensmesser. 
So kommen die Reiter mit den faltigen glattrasierten Ge¬ 
sichtern, wie verhungert, herein und lassen sich wiegen. 
Und jedes Gewicht wird am Kontrolltisch aufgezeichnet. 
Dann greift der Jockey in ein hingereichtes SäcFchen und zieht 
ein Rärtchen heraus: die Startnummer. Ein kurzer Blick. 
Lächelt der Reiter zufrieden, dann hat er eine „gute" Nummer 
gezogen. <£r kommt am Start ganz an die Innenseite der 
Bahn; hat er Pech, dann wurde er vom Täfelchen an die 
Außenseite gesetzt. 
Ein paar 3ahre lang ist es komisch mit diesem Hoxpe- 
gartner SäcFchen zugegangen. €s gab einem Hockey immer 
wieder die beste Nummer J heraus. Die sperren Kollegen 
wurden erst neidisch, dann schöpften sie Verdacht und der 
2Tiann an der Wage mußte sein Ränzel schnüren. Er hatte 
feinem Schützling immer die „(Eins" zugesteckt. 
Drinnen im Wageraum und draußen vor der Tür stehen 
die anderen vom Ban, Besitzer und Trainer und rechnen ihre 
Chancen nach. Der Beherrscher von Schwarz-weiß, Preußens 
Oberlandstallmeister Graf Lehndorff — Typ des alten, vor¬ 
nehm bedächtigen Landedelmannes — beugt sich zu dem 
kleinen Lxeiherrn von Oppenheim herunter. Der Kölner 
ZTiillionär, ein verwittertes ZTiännlein mit klugen, scharfen 
Augen, ist die lebende Geschichte von ^oppegarten. Er ist 
Rennmann aus Passion und hat ihr ein Vermögen hingegeben. 
Spricht wenig und sieht alles. Einer vom alten Schlage, der 
das Pferd lieb hat und nicht nach der Wette fragt, die er 
drüber landen kann.
        
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